Volkstheater: Heute kommt der Insolvenzberater

Ohne Hilfe droht dem Theater das Aus. NNN
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Ohne Hilfe droht dem Theater das Aus. NNN

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08. Januar 2013, 07:53 Uhr

Rostock | Es ist fünf vor zwölf: Im Volkstheater wird heute ein Insolvenzberater aus Berlin erwartet. Er soll einen Blick in die Bücher der finanziell mächtig in Schieflage geratenen Bühne werfen. Nach Aussagen von Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski könnte dann bereits in den kommenden Tagen die Entscheidung fallen, ob das Volkstheater nun tatsächlich in die Insolvenz geht oder es vielleicht doch noch einen Weg aus der Finanz-Misere gibt.

Die Voraussetzungen für das Rostocker Theater sind bekanntermaßen schwierig: 1,3 Millionen Euro fehlen im Etat für 2013. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) sieht nach wie vor keine unmittelbare Insolvenzgefahr. Die Ansage von Seiten der Stadtverwaltung lautet: Bevor Geld zugeschossen wird, muss die Bühne nach Lösungen im eigenen Betrieb suchen. Der Geschäftsführer hat mehrere Szenarien durchgespielt - am Ende fehlen trotzdem 500 000 Euro. Ab November könnte das Haus seine Kosten nicht mehr decken.

Die Möglichkeiten sind begrenzt: So könnte künftig auf Gastkünstler verzichtet werden, denn die Honorarausgaben in diesem Bereich machen einen erheblichen Teil der Personalkosten aus. Allerdings hätte diese Maßnahme auch eine direkte Auswirkung auf den Spielbetrieb. Denn beispielsweise die monatlich stattfindenden Philharmonischen Konzerte leben immer auch von den eingeladenen renommierten Gastsolisten. Eine weitere Option wäre es, keine Neueinstellungen zuzulassen. Das Problem: Mit Beginn der kommenden Spielzeit wird eine neue Schauspieldirektorin die Arbeit im Volkstheater aufnehmen. Wie bei einem solchen Wechsel üblich, laufen viele bestehende Darsteller-Verträge in diesem Zusammenhang aus. Ein neuer Direktor bringt in der Regel neue Schauspieler mit - das wäre in diesem Fall dann aber nicht möglich. Auch Regisseure könnten nicht engagiert werden. Dritte Variante: betriebsbedingte Kündigungen. Hier besteht aufgrund vorhandener tariflicher Rahmenbedingungen wenig Spielraum. "Sogar der Etat für Investitionsmaßnahmen wie Reparaturen ist gestrichen worden", so Rosinski. Dabei wäre beispielsweise im Bereich der Garderoben dringend etwas zu tun. Auch das Dach des Großen Hauses ist mittlerweile undicht. Die marode Immobilie wird mehr und mehr zum Kostenfaktor. Dennoch, bedauert Rosinski, geht es in Sachen Neubau nicht voran. "Das Bürgerforum zur Standortfrage, das Ende des Monats stattfinden sollte, wurde abgesagt", so der Kaufmann.

Und auch die Intendanten-Frage ist nach wie vor ungeklärt. Kurz vor Weihnachten war die Bewerbungsfrist abgelaufen. Die Intendantenfindungskommission, die sich nun mit den Bewerbern befassen sollte, wartet bislang weiter auf ein erstes gemeinsames Treffen. Die Sache liegt auf Eis.

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