Volkstheater-Drama: Ab Januar fehlt Geld für Premieren

So gehts nicht weiter: Peter Leonard bangt ums Theater.nnn
So gehts nicht weiter: Peter Leonard bangt ums Theater.nnn

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02. November 2012, 05:59 Uhr

Rostock | Massiv auf die Bremse treten: kein Geld mehr für Bühnenbild, Kostüme oder Honorarkräfte. Frei werdende Stellen werden nicht neu besetzt und das Haus sich selbst überlassen, nicht weiter instand gesetzt. Das ist das Horrorszenario, über das die Leiter des Volkstheaters jetzt nachdenken mussten, um der Stadt mögliche Einsparungen transparent zu machen.

1,3 Millionen Euro Minus muss das Volkstheater für das nächste Jahr ausgleichen. "Das schaffen wir nicht", sagt der kaufmännische Leiter Stefan Rosinski, "das schaffen wir auch nicht, wenn wir in das Getriebe des Betriebes eingreifen." Damit meint er die Sparmaßnahmen. Denn die bedeuten vor allem eines: sinkende Zuschauerzahlen und einen fast lahm gelegten Betrieb. "Wir schätzen, dass die Einnahmen, um etwa 500 000 Euro sinken würden", sagt der künstlerische Leiter Peter Leonard. Denn, wenn kein Geld mehr für Bühnenbild und externe Künstler da wäre, könnten auch keine neuen Stücke gespielt werden - ein Theater ohne Premieren. "Es bedeutet, dass wir kein Angebot mehr hätten", sagt er. Stücke wie West Side Story oder Tommy wären nicht mehr machbar. 800 Vorstellungen werden pro Jahr gespielt. Alle wären beeinträchtigt. "Jede Produktion hat Sonderkosten", erklärt Leonard, würden zusätzliche Künstlern brauchen. Und aushilfsweise Honorarkräfte seien dabei schon deutlich preiswerter als Festangestellte. Und wenn frei werdende Stellen nicht neu besetzt würden, ginge es für den Besucher schon ganz vorn mit den Problemen los: beim Kartenverkauf. "Und die Kasse ist schon unterbesetzt", sagt Leonard. Auch der Vertrag des Chorleiters läuft aus und sieben Schauspielstellen werden frei - ein Chor ohne Leiter, eine Bühne ohne Schauspieler. Einige Abteilungen würden von der Nichtbesetzung der Stellen regelrecht lahm gelegt, sagt Leonard. "Genau solche Maßnahmen wurden vor einem Jahr schonmal geprüft", sagt Leonard. Auch damals wurde eine Modellrechnung aufgemacht. Die Bürgerschaft riet ab. Auch jetzt werden Alternativen erwogen. Das Amt für Management und Controlling will erneut einen Zuschuss vom Land erbitten, einen Antrag auf Sonderbedarfszuweisung stellen. Es sei aber keine Lösung, sich auf eine Bewilligung zu verlassen, räumt der Vorsitzende des Finanzausschusses Steffen Bockhahn (Die Linke) ein. Der Finanzausschuss setzte in dieser Woche auch ein erstes Zeichen. Er sprach sich für die Bezuschussung des Volkstheaters mit bis zu 1,3 Millionen für 2013 aus. Ein erster Erfolg für Leonard und Co, denn es wird eng fürs Volkstheater. "Unsere Situation muss geklärt werden, vor dem Anfang des nächsten Wirtschaftsjahres. Sonst müssen wir Insolvenz anmelden", sagt Leonard. Doch noch läuft der Betrieb: Die nächste große Premiere der berühmten Operette "Die Fledermaus" ist schon morgen.

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