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Die weiße Stadt am Meer : Villen-Streit in Heiligendamm

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Nach der ausbleibenden Sanierung der traditionsreichen Perlenkette von Heiligendamm machen Stadtvertreter Bad Doberans dem Eigner und Immobilieninvestor Anno August Jagdfeld jetzt die Villen-Reihe streitig.

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erstellt am 16.Jan.2012 | 07:11 Uhr

Bad Doberan | Machtkampf in der weißen Stadt am Meer: Nach der seit mehr als einem Jahrzehnt ausbleibenden Sanierung der traditionsreichen Perlenkette von Heiligendamm - einer Reihe von Villen am Ostseestrand des einst ersten deutschen Seebades - machen Stadtvertreter Bad Doberans dem Eigner und Immobilieninvestor Anno August Jagdfeld jetzt die Villen-Reihe streitig. Vor allem Abgeordnete des Bürgerbundes und der FDP drängen darauf, dass die Stadt nach einem umstrittenen Verkauf der Immobilien innerhalb der Jagdfeld-Familie das nach ihrer Meinung im Denkmalschutzgesetz verankertes Vorkaufsrecht durchsetzt. Vergangene Woche hatten bereits Wirtschafts-, Finanz- und Stadtentwicklungsausschuss einen Verzicht auf das Vorkaufsrecht abgelehnt. Ende Januar soll nun die Stadtvertretung darüber entscheiden. Statt die Villen, wie von Jagdfeld versprochen, zu sanieren, verfalle Heiligendamm, kritisierte FDP-Abgeordneter Harry Klink den Investitionsverzug. Immer wieder habe die Stadt Änderungswünsche Jagdfelds hinnehmen müssen, geschehen sei wenig. Trotz aller Zugeständnisse habe Jagdfeld in der Vergangenheit immer wieder die Rechte der Einwohner in Frage gestellt, erklärte Hannes Meyer vom Bürgerbund: "Weite Teile Heiligendamms sind für die Öffentlichkeit verloren." Nun sollte die Stadt das Vorkaufsrecht durchsetzen, andere Investoren ins Boot holen und die Denkmäler erhalten, forderte Klink. Es gebe gute Chancen, dass die Villen durch andere Investoren saniert werden könnte, so Meyer.

Jagdfeld hatte im vergangenen Jahr 550 Hektar samt Gebäuden innerhalb der Familie neu aufgeteilt. Der Eigner-Wechsel könnte ihm jetzt teuer zu stehen kommen. Es sei übliche Praxis, separate Firmen zu gründen, um neue Projekte in Angriff zu nehmen, begründete Jagdfeld-Sprecher Christian Plöger gestern den familiären Immobiliendeal. Plöger sieht die Jagdfeld-Gruppe indes zu Unrecht in der Kritik. "Wir halten unsere Versprechen", meinte er. Zwar habe man auch geglaubt, dass die Sanierung der Villen-Kette um "einiges schneller" erfolgen könnte. Die Marktlage habe aber nichts anders zugelassen. Plöger sieht den Streit gelassen: "Ein Vorkaufsrecht gibt es nicht." Jagdfeld geht aufs Ganze: Sollte die Mehrheit der Stadtvertretung dennoch auf das Vorkaufsrecht bestehen, werde die Jagdfeld-Gruppe gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen. "Das steht uns zu", meinte Plöger.

Investitionszusagen hat Jagdfeld in den vergangenen Jahren zur Genüge gegeben - Stadtvertretern, Finanzinvestoren, Politikern, Einwohnern. Nur eingehalten wurden sie nicht, meint Lokalpolitiker Hannes Meyer. Schon vor Jahren sei von Jagdfeld der zügige Sanierungsbeginn angekündigt worden - passiert sei wenig. "Den Versprechungen kann man nicht mehr glauben", meint Meyer. "Das Vertrauen ist aufgebraucht."

Das dürfte auch bei den Kapitalgebern des Immobilienfonds Fundus 34 für das Grand Hotel in Heiligendamm schwinden. Denen hatte Jagdfeld erst vor einem dreiviertel Jahr einen Verzicht auf 90 Prozent des eingesetzten Kapitals zugemutet. Die Gesellschafter der Nobelherberge hatten im März mit einer großen Mehrheit von 74 Prozent einem umstrittenen Restrukturierungskonzept und damit einem millionenschweren Kapitalschnitt zugestimmt. 32,5 Millionen Euro neues Kapital sollten dem in den vergangenen Jahren Millionenverluste schreibenden Hotel zufließen - als Nachschlag von bisherigen Investoren aber auch von neuen Anlegern. Man brauche zeitnah Sanierungskapital, sonst drohe die Zerschlagung der Gesellschaft durch den Verkauf der Immobilie oder gar die Insolvenz, hatte Jagdfeld den Eignern vor der Abstimmung noch eingebläut. Zehn Monate später schwindet aber offenbar auch auf dem Kapitalmarkt das Vertrauen in die Jagdfeldschen Engagements. Einem Bericht zufolge sind bislang gerade einmal 500 000 Euro an neuem Kapital eingesammelt worden. Alles falsch, widersprach Jagdfeld-Sprecher Plöger gestern, ließ aber die genaue Kapitalhöhe offen. Sein Kommentar: "Keine Wasserstandsmeldung." Nur soviel: Eine inzwischen zurückgezogene Anlegerklage gegen das Restrukturierungskonzept habe "viel Zeit gekostet", ehe beispielsweise der neue Prospekt herausgebracht werden konnte. Nun hätten die Anleger im Dezember mit 97 Prozent der Stimmen für eine einjährige Verlängerung des Sanierungskonzeptes gestimmt, sagte Plöger. Die Entwicklung des Hotels sei auf einem guten Weg. Wie bereits im Vorjahr sei auch 2011 ein Betriebsergebnis von 800 000 Euro erzielt worden, so Plöger: "Das zeigt, dass das Haus am Markt bestehen kann."

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