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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. August 2017 | 09:05 Uhr

Tierheim : Vierbeiner suchen neue Herrchen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Tierheim Schlage beendet freiwilligen Vermittlungsstopp rund um Weihnachten

Neugierig schweift der Blick von Cäsar über das Tierheim-Gelände in Schlage. Der etwa einjährige Jagdhund ist noch sehr verspielt und lebhaft. Das ist vor allem dann deutlich zu spüren, wenn der Weimaraner einen der anderen Vierbeiner oder einen seiner zweibeinigen Betreuer entdeckt und sofort losstürmen will. „Der hat Ausdauer und braucht auch geistige Beschäftigung, sonst zerpflückt er die Wohnung“, sagt Tierheim-Leiterin Regina Groß. Sie sucht nach dem selbst auferlegten Vermittlungsstopp rund um Weihnachten nun wieder ein liebevolles neues Zuhause für ihre Schützlinge.

Insgesamt leben derzeit rund 250 Tiere auf dem Hof, neben den etwa 60 Hunden auch zahlreiche Katzen, Vögel, Meerschweinchen, Kaninchen oder Chinchillas. Wie schon in den vergangenen Jahren gab es besonders kurz vor Weihnachten etliche Neuzugänge. Nach dem Fest dauere es hingegen meist ein paar Wochen, bis einige der Neu-Halter ihrer Tiere überdrüssig werden und sie loswerden wollen, sagt Angelika Streubel, zweite Vorsitzende des Rostocker Tierschutzvereins. „Wir sind froh über jeden Platz, der bei uns frei ist“, sagt sie. Ihr größter Wunsch für dieses Jahr: Langzeitbewohner Manne vermitteln. Sieben seiner zehn Lebensjahre hat der Schäferhundmischling in Schlage verbracht, vor allem deswegen, weil er andere Hunde nicht gut riechen kann. Nur Pudel Manja, die nach zwei gescheiterten Vermittlungsversuchen bei Angelika Streubel hängen geblieben ist, lässt er an sich ran. „Allgemein ist er ein sehr lieber Hund, mit Zweibeinern hat er überhaupt keine Probleme“, sagt die 35-Jährige.

Angelika Streubel ist bereits seit zehn Jahren dabei, hat sich vom Gassigeher hochgearbeitet. Von denen gibt es einige in Schlage. Genauso wie Katzenstreichler, die mit Sahne oder anderen Leckerlis auf den Hof kommen. „Das ist gern gesehen“, so die zweite Vorsitzende. Sie betont aber auch, dass das Heim kein Streichelzoo ist. „Unsere Tiere sind Lebewesen mit Gefühlen und jedes hat seine eigene Geschichte.“ Und die sei meist problematisch verlaufen, weswegen die Tiere häufig auch verängstigt seien und anders reagierten, als viele Menschen es von ihnen erwarteten. Deswegen testen die Betreuer vor Vermittlung ihrer Schützlinge, ob die Chemie mit dem potenziellen Herrchen passt. Mindestens zwei Besuche im Heim sind Pflicht. „So eine Anschaffung sollte man sich gut überlegen – ein Hund wird mitunter 10, 15 Jahre alt“, sagt Angelika Streubel. Und die Halter müssten ihr Leben auf den Vierbeiner einstellen – vom täglichen Gassigehen bis zum Urlaub. „Wir wollen die Tiere nicht einfach loswerden, sondern, dass es ihnen gut geht“, so die Tierschützerin. Am schönsten sei es, die Tiere fröhlich mit ihren neuen Haltern zu sehen – im Laufe der Vermittlung entstünden häufig kleine Freundschaften.

Das vergangene Jahr sei diesbezüglich sehr gut verlaufen, sagt Leiterin Regina Groß: „Wir haben rund 200 Katzen, 150 Hunde und 150 Kleintiere vermittelt.“ Darunter auch viele Langzeitbewohner. Die Zahl der Neuzugänge im größten Heim des Landes sei allerdings ähnlich hoch gewesen. Häufige Gründe für eine Trennung vom Herrchen seien Krankheiten und Umzüge. Für letztere hat Angelika Streubel Verständnis, für die oftmals extrem kurzfristige Bitte um Aufnahme weniger. Schließlich betrage die Kündigungsfrist für eine Wohnung meist drei volle Monate. So lange im Voraus wüssten die Halter also Bescheid. Die Anfrage komme dann aber oft erst am Tag vor dem Umzug – in dem Irrglauben, das Heim sei staatlich finanziert und müsse die Tiere zwingend aufnehmen. Tatsächlich handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der sich ausschließlich über Spenden finanziert. Allein die Futterkosten betragen jeden Monat mehrere tausend Euro.

„Man sollte uns frühzeitig informieren, um uns auch die Chance zu geben, einen geeigneten Platz zu finden“, sagt Angelika Streubel. Stubentiger etwa könnten gerade jetzt im Winter nicht in unbeheizten Zwingern untergebracht werden, weil ihr Immunsystem dafür nicht geeignet sei.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 10:00 Uhr

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