Vier Stunden für Freispruch plädiert

Auf der Anklagebank: Am 30. November 2010 wurde der Prozess gegen Bernhard Küppers eröffnet. Am Donnerstag nächster Woche soll das Urteil fallen. nnn
Auf der Anklagebank: Am 30. November 2010 wurde der Prozess gegen Bernhard Küppers eröffnet. Am Donnerstag nächster Woche soll das Urteil fallen. nnn

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04. Oktober 2011, 07:54 Uhr

Rostock | Freispruch auf ganzer Linie fordert die Verteidigung im Prozess um Ex-Wiro-Chef Bernhard Küppers. Nach nunmehr fast einem Jahr des Prozessierens und mehr als 20 Verhandlungsterminen am Landgericht haben gestern die vier Anwälte von Küppers und seiner ehemaligen Prokuristin Dr. Evelyn R. ihre Plädoyers gehalten.

Verteidigung kritisiert Gericht

In einer mehr als vierstündigen Verteidigungsrede argumentierten sie gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und forderten Freispruch für beide Angeklagte. Dabei wurde nicht nur die Staatsanwaltschaft immer wieder deutlich angegriffen. Auch die drei Richter mussten sich harsche Kritik gefallen lassen. Dabei ging es um Voreingenommenheit und Beeinflussung von Zeugen.

In dem Prozess geht es um Vorwürfe im Zusammenhang mit Studienreisen, dem Umgang mit Mietkautionen und einer Bürgschaft für den Bau eines Callcenters. Die Verteidigung argumentierte in allen drei Punkten: So seien die Fachstudienreisen, unter anderem nach Rom und Maastricht, Weiterbildungsfahrten gewesen, die auf Beschlüsse des Wiro-Aufsichtsrates zurückgingen - und nicht auf von der Anklage unterstellte Bestrebungen Küppers, die Mitglieder des Aufsichtsrates günstig zu stimmen. Dafür habe Küppers gar keinen Grund gehabt, so ein Anwalt des Ex-Wiro-Chefs, denn der heutige Rentier habe damals bei der Wiro "fest im Sattel gesessen". Für Bestechungen oder ein Sich-lieb-Kind-Machen habe es also keinerlei Anlass gegeben. Außerdem seien die Reisekosten in einem Rahmen geblieben, der der Größe des Wohnungsunternehmens angemessen sei. Das Programm der Fahrten sei straff und fordernd, allein zum Zwecke der Weiterbildung angelegt gewesen.

Bezüglich der Versicherung der Mietkautionen bei der amerikanischen Gramercy Insurance Company zeichnet die Verteidigung ein konträres Bild zu dem der Anklage. Dieses Modell sei gängige Praxis in vielen Wohn ungsunternehmen bundesweit. Küppers habe stets nur im Interesse der Wiro gehandelt, ohne schlechten Vorsatz - wenn auch nicht immer risikofrei. So beispielsweise bei dem Abschluss einer Bürgschaft für die Baufirma Mader GmbH. Küppers habe sich damals Empfehlungen eingeholt, den Aufsichtsrat entscheiden lassen - alles streng nach Vorschrift.

Die Staatsanwaltschaft, die ihr Plädoyer bereits im Juli verlas, sieht das anders. Sie fordert für Küppers wegen Untreue in neun Fällen, darunter vier in Tateinheit mit Vorteilsgewährung, eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Davon sollen nach dem Willen der Anklage drei bereits als vollstreckt anerkannt werden. Außerdem soll der ehemalige Boss des städtischen Wohnungsunternehmens 30 000 Euro an gemeinnützige Vereine zahlen, sollten sich die Richter an den Forderungen der Anklage orientieren. Für Evelyn R. geht es um eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten, wovon einer als vollstreckt gewertet werden soll, und eine Zahlung von 10 000 Euro an gemeinnützige Vereine.

Nachdem die Plädoyers verlesen sind, wird am Donnerstag, 10. Oktober, das Urteil fallen.

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