Immer wieder laufen lernen : Vier Pfoten streicheln Kinderseele

Tierische Helferin: Hündin Leika war für die kleine Greta aus Rostock während der langwierigen Behandlung ihrer Hüftdysplasie vor allem Freude- und Trostspender.
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Tierische Helferin: Hündin Leika war für die kleine Greta aus Rostock während der langwierigen Behandlung ihrer Hüftdysplasie vor allem Freude- und Trostspender.

Die kleine Greta hat einen langen Leidensweg hinter sich – bei Kathleen Pöschmann findet sie Hilfe

svz.de von
29. März 2016, 12:00 Uhr

Mit glücklichem Lachen versenkt Greta die Nase in Leikas Fell. Dass die Sechsjährige und die Golden-Doodle-Hündin so unbeschwert miteinander toben und schmusen können, ist nicht selbstverständlich – und zaubert Gretas Mama fast Tränen in die Augen. Denn die kleine Rostockerin hat eine angeborene beidseitige Hüftdysplasie und damit einen langen Leidensweg mit schweren Operationen, Schmerzen, Rollstuhl und eingegipsten Beinen hinter sich. Dass Greta wieder lachen kann, ist guten Ärzten, einer fast familiären physiotherapeutischen Behandlung von Kathleen Pöschmann und eben auch deren angehender Therapiebegleithündin Leika zu verdanken.


Therapie unterstützt Kinder und Eltern


Noch immer kommt Greta einmal pro Woche für eine Stunde in die Praxis Menschenskinder. In deren neuen Räumlichkeiten in der Schweriner Straße ist alles auf die Kleinen ausgerichtet. Gerade für Patienten wie die Sechsjährige, die zahlreiche Krankenhausaufenthalte hinter sich haben, sei es wichtig, dass in der Praxis nichts klinisch wirkt. Und so ist das Wartezimmer ein Spielparadies mit Bausteinen und Büchern, hängen an den Wänden von Kindern gemalte Bilder und Kronen. „Wir sind ein königliches Hilfreich für Babys, Kinder und Jugendliche“, sagt Kathleen Pöschmann und schmunzelt. Sie ist ausgebildete Kindertherapeutin, praktiziert nach den Methoden von Bobath und Vojta, die speziell für Kinder entwickelt und nach ihren Entdeckern benannt wurden.

„Wir machen keine klassische Krankengymnastik, wo man Brüche behandelt“, sagt die 42-Jährige. Natürlich würde sich auch um Patienten mit solchen Erkrankungen bestmöglich gekümmert. Aber der große Anteil seien Kinder, die über Jahre begleitet werden, zum Beispiel Frühgeborene mit Entwicklungsverzögerungen. Aus Erfahrung weiß die 42-Jährige aber auch: Physiotherapie für den Nachwuchs, „das ist auch ein gutes Stück Arbeit mit den Eltern“. Denn auch Mama und Papa müssten lernen, mit ihren hilfebedürftigen Kindern umzugehen, sie zu verstehen und sich in sie hineinzufühlen.

Das kann Gretas Mama Diana nur bestätigen. In den Phasen, nachdem ihre Tochter in Hamburg operiert wurde und durch die eingegipsten Beine nicht laufen konnte, war sie nicht nur dankbar über den Hausbesuch und die anpackende Hilfe von Kathleen Pöschmann, den Rollstuhl mit dem Kind aus dem Dachgeschoss nach unten zu bringen. Sondern vor allem über die Ablenkung durch einen Spaziergang mit Hündin Leika und die Zuwendung für Greta, die in der Zeit nur ihren Oberkörper bewegen und trainieren konnte.


Finale Operation steht bevor


„Die Physiotherapie tut uns beiden gut“, sagt Mama Diana. Greta musste nach jeder Operation wieder laufen lernen. „Und mir hat Kathleen auf diesem Weg die Angst genommen und mich bestärkt“, sagt die Rostockerin. Voller Liebe und Stolz beobachtet sie deshalb, wie ihre sechsjährige Tochter jetzt auf einer Schaukel durch den Behandlungsraum schwingt und lachend mit den Füßen Plüsch-Erdbeeren fängt. Was nach Spiel aussieht, ist Therapie. Aber eben eine, die den kleinen Patienten trotz Anstrengung auch Spaß macht. Und das ist wichtig, denn „längere Erkrankungen machen auch immer etwas mit der Kinderseele, viele sind dadurch verschlossener“, so Pöschmann. Die Zahl an Patienten steige stetig. „Das liegt auch daran, dass die Eltern informierter sind und sich noch mehr und früher dafür einsetzen können, dass ihrem Kind geholfen wird“, sagt die Therapeutin.

Unter den vielen Bildern und Dankes-Karten mit glücklich lachenden Kindergesichtern, die die Praxis schmücken, ist auch schon ein großer Bilderrahmen von Greta. Bis ihre Therapie beendet ist, dauert es aber noch ein bisschen. Die finale Operation steht noch in diesem Halbjahr an. Das bedeutet nochmals Krankenhaus und erneut Schmerzen. Die Sechsjährige weiß, was sie erwartet. Aber auch, dass alles gut wird. Und sie bei ihrer Einschulung im Spätsommer mit den Klassenkameraden um die Wette über den Hof rennen kann.

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