Seltener Fund in Graal Müritz : Video: Toter Jung-Wal verlor die Orientierung

<p>Linda Westphal (linkls) und Vivica von Vietinghoff vom Meeresmuseum Stralsund beim Vermessen des toten Buckelwales im Nautineum</p>
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Ein toter Buckelwal wurde heute in der Nähe der Seebrücke Graal-Müritz geborgen. Foto: Stefan Tretropp

Ein acht Meter langer Buckelwal! So etwas sieht man nicht aller Tage. Leider tot wurde solch ein Exemplar heute in Graal-Müritz nahe der Seebrücke an den Strand gezogen.

svz.de von
09. Juni 2018, 21:05 Uhr

Nach dem Fund eines über acht Meter toten Buckelwals in der Ostsee vor Graal-Müritz haben Mitarbeiter des Meereskundemuseums in Stralsund am Sonntag Morgen mit der Todesursachenforschung begonnen. In der Nacht wurde der vier Tonnen schwere Kadaver mit der Hilfe des Technischen Hilfswerks von Graal-Müritz nach Stralsund zum Nautineum auf den Dänholm gebracht.

Dort begannen etwa zehn Mitarbeiter unter der Leitung von Dr. Timo Moritz mit der Zerlegung des seltenen Fundes. Über den Mageninhalt wollen die Forscher genauere Informationen zum Ableben des Meeressäugers erhalten. Aufgrund der Größe des Buckelwals reichte die Halle der Forschungseinrichtung nicht aus, so musste das Tier auf dem Hof zerlegt werden.

 

Moritz sprach von einem sehr seltenen Ereignis, das es zuletzt 2003 vor der Lübecker Bucht gegeben hätte. Das Forscherteam steht mit seinen Untersuchungen der Todesursache erst am Anfang.

Zuvor hatten sich am Samstagabend zahlreiche Schaulustige an den Strand von Graal-Müritz gezogen– nicht aber um zu baden oder um einen Spaziergang zu machen – sondern um einen den seltenen Fund zu bestaunen. Am Nachmittag trieb das mehr als  acht Meter lange und etwa vier Tonnen schwere Buckelwalweibchen auf Höhe der Seebrücke im Ostseewasser.

Die Besatzung eines Wachturms der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) sichtete den Fund im Wasser und verständigte die Feuerwehr. Die Kameraden schleppten den verendeten Meeressäuger schließlich wenige hundert Meter entfernt an den Strand. Per Seilwinde wurde der tote Wal in Richtung eines Strandaufganges gezogen, um ihn abtransportieren zu können.

Ein Mitarbeiter des Meereskundemuseums Stralsund verschaffte sich noch vor Ort in Graal-Müritz bereits  einen Überblick. „Tote Robben und Schweinswale sind schon mal zu beobachten. Aber ein Buckelwal ist da doch eher eine Ausnahme“, erklärte er. Laut Einschätzungen des Fachmanns war der Wal bereits über eine Woche tot. Der Strand wurde an der Fundstelle abgesperrt.

Das rund zehn Monate alte Jungtier habe sich wahrscheinlich verirrt, sagte Timo Moritz von Meeresmuseum am Sonntag. Normalerweise leben Buckelwale im Atlantik oder im Pazifik. „Es kommt aber immer wieder vor, dass einzelne Exemplare bis nach Rügen schwimmen und sich dort mit Hering vollfressen“, erklärte der Wissenschaftler. Diese Besucher nennen die Wissenschaftler „Irrgäste“. In diesem Fall handele es sich wahrscheinlich um ein zehn Monate altes Jungtier, das "vor nicht so langer Zeit von den Elterntieren abgesetzt wurde und sich dann alleine durchschlagen musste". Dabei habe sich der junge Wal wahrscheinlich verirrt.

In der Regel fänden die schlauen Buckelwale aber den Weg über die Nordsee zurück in ihre heimatlichen Gefilde zwischen Arktis und Karibik. Das junge Tier sei zudem schlecht ernährt gewesen, erklärte der Wissenschaftler, hätte aber durchaus Nahrung zu sich genommen. Was also die Todesursache war, könne erst nach der vollständigen Sektion im Stralsunder Nautineum auf dem Kleinen Dänholm gesagt werden. Bislang wird aber eine Kollision mit einem Schiff ausgeschlossen, da keine Schnittverletzungen oder ähnliches an dem Körper des Wals zu sehen sei.

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