Elisabeth-Heim Rostock : Video: Betty-Abrissbagger rücken an

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Foto: Stefan Tretropp

Bagger beginnen mit Abriss ehemaliger Orthopädie in Rostocker KTV

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21. November 2017, 13:42 Uhr

Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot und vereinzelten Schaulustigen haben am Dienstagmorgen die Abrissarbeiten am ehemaligen Elisabeth Heim, der Betty, begonnen. Neue Proteste gab es keine, erklärt Polizeisprecherin Yvonne Hanske: „Alles ist ruhig geblieben.“ Das gelte auch für die Zeit nach der Räumung des besetzten Gebäudes vor rund einem Monat.

Ursprünglich sollten die Bagger später anrollen. „Wir sahen uns jetzt vor dem Hintergrund ,Gefahr im Vollzug‘ zu dem Schritt gezwungen“, sagt Kai Hörig, Geschäftsführer des Studentenwerks. Er rechnet damit, dass die Beräumung und Begrünung des Geländes mit Rasen am Jahresende abgeschlossen ist. Durch die Besetzung habe sich auch der Planungsstart verzögert, der nun in diesem Monat erfolgte. Die Suche nach einem Architekturbüro ist nach einer europaweiten Ausschreibung mittlerweile beendet.

Anfang März soll die Entwurfsplanung fertig sein. „Dann werden wir wie versprochen ein Bürgerforum organisieren“, sagt der Geschäftsführer. Außerdem soll der Gestaltungsbeirat die Vorlage diskutieren. „Wir wollen eine gute Nachbarschaft“, sagt Hörig. „Hätten wir eine Chance gesehen, das Gebäude in dem Zustand zu erhalten, hätten wir es gemacht.“ Als Folge der Proteste habe es noch einmal mehrere Rundgänge gegeben, um mögliche Lösungen für einen Erhalt zu finden. Das sei aber nur zum Preis eines Kostenanstiegs um das 1,5- bis 2-Fache möglich. „Jeder Euro mehr wirkt sich aber unmittelbar auf Semesterbeitrag, Miete und Essenskosten aus“, sagt Hörig. „Da haben wir eine Verantwortung den Studenten gegenüber.“

In dem Neubau sollen eine Mensa mit 400 Sitzplätzen sowie ein Wohnheim für bis zu 60 Studenten unterkommen. Den Spatenstich will Hörig Anfang 2019 setzen, die Eröffnung zum Wintersemester 2020 feiern. Wohl erst dann wird die Kleine Mensa Ulme abgerissen. Nach zehn Jahren in Betrieb soll sie noch einmal für die Übergangszeit ertüchtigt werden. Ursprünglich sollte sie als vierjährige Interimslösung dienen.Torben Hinz

Kommentar von Torben Hinz: Kontraproduktive Proteste

Nun ist es also so weit: Die Betty ist gefallen und mit ihr jegliche Chance, Teile des Gebäudes oder zumindest der Fassade zu erhalten. Damit haben die Hausbesetzer letztlich genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie nach eigener Aussage wollten. Ein gemäßigteres Vor- und Aufeinanderzugehen wäre im Nachhinein wohl erfolgversprechender gewesen – auch wenn es natürlich spekulativ bleibt, ob ein anderes Ergebnis herausgekommen wäre. Schließlich steht das Studentenwerk unter wirtschaftlichem Druck und muss daher ein Interesse an einer möglichst kostengünstigen Lösung haben.

 Nun geht der Kröpeliner-Tor-Vorstadt mit dem Abriss ein inoffizielles Baudenkmal verloren. Das ist für viele Anwohner schmerzhaft. Doch wie immer gilt auch hier: Jedes Ende ist auch ein Anfang. Vor der Einweihung des Elisabeth-Heims 1907 wurde das Areal schließlich auch mal anders genutzt.

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