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18. November 2017 | 05:54 Uhr

Verwaltung zieht in den Warnstreik

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2012 | 07:56 Uhr

Rostock | Sie fordern 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber ein Plus von 200 Euro. Dafür sind gestern die Mitarbeiter des Rathauses, aller Ortsämter und der Arbeitsagentur auf dem Neuen Markt in den Warnstreik getreten. Ein Vorgeschmack. Denn platzt die nächste Verhandlungsrunde zwischen Bund, Kommunen und Gewerkschaften am 12. und 13. März in Potsdam, droht auch in Rostock ein richtiger Arbeitskampf aller Beschäftigten des öffentlichen Dienstes.

"Die Stimmung ist recht aufgeheizt", sagt Dietmar Knecht, Landesvorsitzender der DBB Tarifunion. Dass die Arbeitgeberseite am 1. März überhaupt kein eigenes Angebot für die mehr als zwei Millionen Beschäftigten vorgelegt hatte, sei diesen sauer aufgestoßen. "Da fehlen einem die Worte, ich habe dafür nur totales Unverständnis übrig", sagt beispielsweise Susan Baumgart, die als Arbeitsvermittlerin im Hanse-Job-Center tätig ist. Sie fordert fairen Lohn für faire Arbeit und beklagt zugleich eine zunehmende Belastung. "Das wird immer mehr", sagt die 44-Jährige.

Ein Grund mehr für Knecht, die Gehälter anzuheben und die Jobs so attraktiver zu machen. Denn in den kommenden zehn Jahren seien altersbedingt etwa 700 000 Neueinstellungen im bundesweiten öffentlichen Dienst nötig. Allein in MV sei etwa ein Drittel der Beschäftigten älter als 55. Aber im Kampf um fähigen Nachwuchs seien Bund und Kommunen schlecht aufgestellt. "Zu attraktiven Bedingungen gehört natürlich auch die Bezahlung", sagt Knecht. Und die sei in der Privatwirtschaft deutlich besser. Außerdem seien Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst keinesfalls so sicher, wie immer behauptet. Das zeigten schon die 100 000 Stellen, die allein in MV seit der Wende gestrichen wurden. Die Gewerkschaften fordern nun pauschal 100 Euro mehr für Auszubildende. Darüber hinaus sollen sie unbefristet übernommen werden und Fahrtkosten zum Wohnort erstattet bekommen.

"Wir müssen für den Nachwuchs attraktiver werden", sagt auch Klaus Hartmann. Der Zollbeamte bezog mit zahlreichen Kollegen auf dem Neuen Markt Stellung, um sich mit Verdi und dem DBB zu solidarisieren - in der Mittagspause. Denn als Beamte dürfen sie während der Arbeitszeit nicht streiken. Trotzdem wollen sie die Probleme an ihrem Arbeitsplatz nicht ignorieren. "Wir haben Defizite im Vollstreckungsbereich", sagt Hartmanns Kollege Heiko Look. Es müssten dringend neue Leute eingestellt werden.

"Dass kein Geld dafür da sein soll, ist Quatsch", sagt DBB-Chef Knecht. Schließlich sei das an anderer Stelle anscheinend kein Problem, beispielsweise bei der Griechenland- und Euro-Rettung. So habe die Europäische Zentralbank gerade erst eine Billion Euro zum Zinssatz von einem Prozent in die Märkte gepumpt. Und auch den Ehrensold für den abgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) könne Deutschland sich leisten. "Wir brauchen einen Ehrensold - allerdings für unsere Beschäftigten", so Knecht.

Doch stattdessen hätten sie zwischen 2000 und 2010 einen Reallohnverlust von 7,4 Prozent hinnehmen müssen. Nicht einmal die Inflation sei ausgeglichen worden. "Mit unserer Forderung von 6,5 Prozent gehen wir noch relativ bescheiden ran", sagt Knecht. Er rechne aber damit, dass "die Arbeitgeber weiterhin mauern". Der Termin für die nächste Demo steht daher schon: 26. März. Dann vor dem Schweriner Landtag und als Gemeinschaftsaktion mit den Vertretern der Gewerkschaft Verdi.

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