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Prozess gegen Ex-Moderator : „Vertrauen der Hörer missbraucht“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Staatsanwaltschaft fordert für früheren Radiomoderator mehr als fünf Jahre Haft. Komplize von Markus J. entschuldigt sich.

Weil er Gewinnspiele der Ostseewelle in die eigene Tasche umlenkte, soll deren ehemaliger Star-Moderator Markus J. zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt werden. Das hat gestern die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Rostock gefordert. Der 42-jährige Ex-Journalist hat außerdem gestanden, sein beträchtliches Einkommen über Jahre hinweg mit Hilfe von Strohfrauen und Strohfirmen verschleiert zu haben, um seine Gläubiger leer ausgehen zu lassen.

Markus J. hatte einen Berg von 520 000 Euro angehäuft. Auch sein Verteidiger räumte ein, dass eine Strafe von vier Jahren und acht Monaten angemessen wäre. Für seinen Mittäter beantragte die Staatsanwaltschaft ein Jahr und sieben Monate Haft auf Bewährung. Dennoch könnte es sein, dass Markus J. nach dem Urteil am Mittwoch das Gericht als freier Mann verläßt. Denn die Staatsanwaltschaft musste für das Strafmaß J.`s Verurteilung wegen 26-fachen Kindesmissbrauchs berücksichtigen. Er hatte vor etwa acht Jahren Sex mit einem anfangs zwölfjährigen Mädchen, das einen Besuch im Studio gewonnen hatte. Dafür saß er bereits zwei Jahre und vier Monate im Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft warf Markus J. vor, das Vertrauen der Hörer in den Sender missbraucht zu haben. Es sei allerdings nicht festgestellt worden, dass von den Gewinnspielschiebereien weitere Ostseewellen-Mitarbeiter etwas wussten. Markus J. und sein Komplize reichten die „Lösungen“ von verschiedenen Radio-Telefon-Gewinnspielen vorab an Bekannte weiter. Diese fingierten Gewinner mussten einen Großteil des „Gewinns“ dann wieder abgeben. Ob J. oder sein Komplize den Großteil der Beute einstrich, konnte nicht geklärt werden. Insgesamt kassierten die beiden rund 60 000 Euro mit dieser Masche.

Weil J. trotz seiner Schulden „eine große Nummer“ sein und seiner Spielsucht frönen wollte, wie der Staatsanwalt sagte, nutzte er seine Freundin Anne S. als Strohfrau. Sie stellte ihn als Moderator für ein sehr geringes Gehalt an und „verkaufte“ ihn für ein hohes Honorar an die Ostseewelle. Weil er offiziell kaum Geld hatte, hatten seine Gläubiger keinen Zugriff auf seine Einnahmen.

Um die Luxusautos und die Villa auf dem Dorf zu bezahlen, reichte aber auch sein Honorar nicht aus. Seine Strohfrau-Freundin machte weitere Schulden für ihn. Sie blieb bei der Trennung 2008 auf über 300 000 Euro sitzen. Ihrer Nachfolgerin in J.´s Gunst, eine zwanzigjährige Kosmetikerin, erging es nicht besser.
180 000 Euro betrug ihr Schuldenstand, als die beiden sich trennten. „Es tut mir leid“, sagte J. in seinem Schlusswort vor Gericht. Sein Komplize bei den Gewinnspielmanipulationen entschuldigte sich „bei all denen, die ich da mit hinein gezogen habe“.

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