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Rostocker Landgericht: Missbrauchsfall : Verteidiger zweifelt Opfer-Aussage an

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Der Verteidiger des 43-jährigen Thomas D. zieht alle Register, um einen Freispruch zu erwirken. Laut Anklage soll der Kapitän zwischen 2007 und 2012 seinen Neffen Ole D. 48-mal missbraucht haben.

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erstellt am 05.Apr.2013 | 07:34 Uhr

Rostock | Der Verteidiger des 43-jährigen Thomas D. zieht alle Register, um einen Freispruch für seinen Mandanten zu erwirken. Laut Anklage vor dem Rostocker Landgericht soll der Kapitän zwischen 2007 und 2012 seinen Neffen Ole D. 48-mal missbraucht haben. Sein Anwalt zweifelte gestern erneut an der Glaubwürdigkeit des Opfers und forderte ein Gutachten, das das Gericht allerdings schon am ersten Prozesstag abgelehnt hatte.

"Ich glaube meinem Sohn", rief Anke K. (42), die Mutter des vermeintlichen Opfers, die gestern als Zeugin gehört wurde, laut in den Gerichtssaal. Sie wandte sich demonstrativ gegen ihren Bruder auf der Anklagebank und forderte ihn unter Tränen auf: "Rede mit uns." Bei jedem Landaufenthalt des Bruders und in den Schulferien sei ihr Sohn bei seinem Onkel gewesen. Genaue zeitliche Angaben konnte sie jedoch nicht machen.

"Können Sie sich dann erklären, warum Ihre Eltern etwas anderes sagen?", mischte sich Verteidiger Jens Kasch ein. Er nutzte die ungenaue Aussage, um erneut eine Aussetzung des Haftbefehls gegen seinen Mandanten zu beantragen. Allein Ole D. habe seinen Onkel beschuldigt, bisherige Zeugen wie die Eltern des Angeklagten hätten das aber widerlegt. Sie hätten übereinstimmend ausgesagt, dass sich ihr Enkel in den Schulferien bei ihnen in Rostock aufhielt und nie über einen längeren Zeitraum im Haus des Onkels. Auch der Vorgesetzte des Angeklagten habe bezeugt, dass sein Kollege zu dem Zeitpunkt, als der erste sexuelle Kontakt stattgefunden haben soll, nachweislich auf See war. Deshalb sei der Haftbefehl gegen Auflagen aufzuheben. Staatsanwaltschaft und Nebenklägervertreter lehnten das ab.

Auch die Anträge auf Anhörung der Potsdamer Polizeibeamtin, die die erste Befragung des 16-Jährigen vorgenommen hatte, und für eine Verlesung der Niederschrift der ersten richterlichen Vernehmung fanden keine Zustimmung. Dabei sei das unbedingt notwendig, so Kasch, da sich Ole D. immer wieder in Widersprüche verstricke. Unbegreiflich sei auch, dass entgegen der üblichen Praxis keine Videoaufzeichnung des ersten Gesprächs erfolgt sei. Kasch forderte die Beschlagnahmung von Festplatten aus dem Elternhaus des Opfers. Der Prozess wird am 19. April fortgesetzt.

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