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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. September 2017 | 04:08 Uhr

Verein will die letzte Kapelle im Lindenpark retten

vom

svz.de von
erstellt am 29.Nov.2011 | 11:28 Uhr

Sie ist komplett mit Graffiti beschmiert, sieht moderig aus, als wäre sie ein Abstelllager für Geräte. Dabei ist die steinerne Grabkapelle im Lindenpark die letzte von ursprünglich 80 ihrer Art. Dieses historische Zeugnis einer Zeit, in der der Park noch ein Friedhof – der erste städtische in Rostock – war, will der Verschönerungs-Verein erhalten. „Da brennt es gerade“, sagt der Vorsitzende Hannes Rother.

Er hat Visionen für eine adäquate Nutzung der Kapelle, will sie der Bevölkerung zugänglich machen. So könne er sich vorstellen, hier Grabplatten zu lagern und auszustellen. „Sie müsste auch betrieben werden – etwa beim Tag des offenen Denkmals“, sagt der Vorsitzende.

Das wiederum würde Zeit und Geld kosten. Noch hat er keine Vorstellung davon, wie viel. Erst vor Kurzem waren 14 Grabmäler für 5000 Euro restauriert worden. Das Geld hierfür kam durch eine Spende der Ospa-Stiftung zusammen. Die Kapelle ist komplett mit Grafitti übersät und bemoost. Um sie zu einer Art Ausstellungsraum umzuwandeln, der von der Rostocker Geschichte Zeugnis ablegt, müsste auch die Tür erneuert, vielleicht sogar gläsern werden.

Was aus der Kapelle wann werden kann, ist noch unklar. Aber Rother und der zweite Vorsitzende Wolfgang Kienast sind dran, die Verhältnisse im Lindenpark zu verbessern.


Wenn Gräber Geschichten erzählen

Ein Dreieck und ein Zirkel, eingeritzt in einen Stein, der 1901 gefertigt wurde, verraten es. Friedrich Griese war Hofzimmermeister mit einem Geschäft in der Schnickmannstraße.

Neben ihm wurden im heutigen Lindenpark seine Frau Marie, die 1947 starb, sein Sohn Fritz, der 1916 in Frankreich im Krieg gefallen ist, und sein jüngstes Kind Hans-Martin, das 1901 kein Jahr alt wurde, beerdigt. Solche Geschichten holen Hannes Rother, Wolfgang Kienast und die übrigen Mitglieder des Verschönerungs-Vereins zu Rostock bei ihrer Arbeit wieder zu Tage. „Mir fielen schon 1979, als ich aus Halle herzog, die Verhältnisse im Lindenpark auf“, sagt Kienast. Er ist mit seiner Frau Christine Merseburg und Rother einer der Initiatoren des Vereins. Sie wollen den Lindenpark und die von einst tausenden noch erhaltenen 35 Grabmäler bewahren und den Park nicht verkommen lassen. Dafür säubern und restaurieren sie diese mühevoll. „Hinter jedem dieser Steine und hinter jedem dieser Namen verbirgt sich eine Geschichte – eine Lebensgeschichte“, sagt Rother.

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