Verein bringt Leuchtturm in Schuss

<strong>Gut verschraubt: </strong>Alfred Rathmann (vorn) und Gundolf Scholze bringen aus Sicherheitsgründen die Plexiglasplatten an. <fotos>Jenny Pfeifer</fotos>
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Gut verschraubt: Alfred Rathmann (vorn) und Gundolf Scholze bringen aus Sicherheitsgründen die Plexiglasplatten an. Jenny Pfeifer

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06. März 2013, 09:58 Uhr

Warnemünde | Die Männer vom Warnemünder Leuchtturm müssen in die Hände spucken. In knapp dreieinhalb Wochen wird die Saison eröffnet. Dann soll das Wahrzeichen für alle Urlauber und Einheimische wieder zugänglich sein. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Seit gestern werkeln elf Männer von innen und außen, um das 115 Jahre alte Leuchtfeuer in Schuss zu bringen.

70 000 Menschen haben im vergangenen Jahr den Leuchtturm erklommen. "Auch wenn uns die Zahl freut, haben die Menschen doch ihre Spuren hinterlassen", muss Heinz-Jürgen Marnau, Mitglied des Fördervereins, eingestehen. Seine Leute haben arg zu kämpfen, den rund 30 Meter hohen Turm aufzuwärmen. Die vergangenen drei milden Tage haben dem Team zwar geholfen, reichen aber bei Weitem nicht aus, die mindestens 70 Zentimeter dicken Wände zu durchdringen.

Das Problem: Der Leuchtturm ist zu kalt und zu feucht, um neu gestrichen zu werden. Während der Wintermonate ist Regenwasser ins Mauerwerk eingedrungen. Jetzt, da die Wände des Turms von oben nach unten langsam trocknen, treten Salze im Treppenhaus aus. Die werden abgebürstet und die betroffenen Stellen anschließend wieder versiegelt. "Die abgeblätterte Farbe flicken wir gerade aus und streichen dann neu", sagt Vereinsmitglied Heinz Seidler. Solange die benötigten sieben Grad aber nicht dauerhaft erreicht werden, trocknet die Farbe nicht schnell genug. "Nachts haben wir noch immer frostige Temperaturen", so Marnau. Vier bis sieben Tage veranschlagt das Team für das Trocknen der Latexfarbe. Auch das Geländer der Umgänge wird mit schwarzer Farbe gestrichen, damit es die Sonne reflektiert und schön strahlt.

Kostspielig, aber notwendig war die Anschaffung von neuen UV-stabilisierten Plexiglasplatten für den Umgang auf der Höhe der ersten Galerie. Die im Durchschnitt rund 70 Jahre alten Vereinsmitglieder haben mit aller Kraft die Scheiben nach oben getragen und anschließend fest verschraubt. "Ursprünglich gab es diese Glasplatten am Turm nicht", sagt Marnau. Aber aus Sicherheitsgründen brachten die Vereinsmitglieder sie in Eigenregie an. Bis zu 8000 Euro plant der Verein für die jährliche Instandsetzung des Leuchtfeuers ein. Das Geld stammt aus den Einnahmen der vergangenen Saison.

Zwar mit Leidenschaft, aber auch mit etwas Wehmut verrichtet Heinz-Jürgen Marnau seine Arbeit am Leuchtturm: "Diesen Aufwand betreiben wir für die Besucher und es wäre schön, wenn wir dafür etwas mehr Anerkennung bekommen würden." Seiner Ansicht nach sehen die Bürger die Leistung des Vereins als eine Selbstverständlichkeit an, die aber viel Schweiß, Nerven und auch Geld kostet. Aber er ist froh, zumindest auf die Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt zählen zu können.

Am 30. März um 11 Uhr öffnet der Leuchtturm seine Pforten und dann berichten die Vereinsmitglieder wie gewohnt über die Geschichte des historischen, maritimen Signals.

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