Mittelmole Warnemünde : Unternehmer bangen um Existenz

Hat ein Schreiben und diese Unterschriftenliste bei Oberbürgermeister Roland Methling abgegeben: Detlef Dietzsch (Mitte) mit Bertel Warnke vom Herbert’s und Fischhändler Ulrich Karnatz.
Hat ein Schreiben und diese Unterschriftenliste bei Oberbürgermeister Roland Methling abgegeben: Detlef Dietzsch (Mitte) mit Bertel Warnke vom Herbert’s und Fischhändler Ulrich Karnatz.

Händler, Gastronomen und Ladenbesitzer der Mittelmole fühlen sich abgeschnitten ohne Schienenersatzverkehr während der Bauzeit

svz.de von
02. September 2015, 12:00 Uhr

Die Fischhändler, Gastronomen und Ladenbesitzer der Mittelmole fühlen sich durch die bevorstehenden Bauarbeiten im Zusammenhang mit dem Umbau des Bahnhofs und der Stromgrabenbrücke abgekoppelt und unfreiwillig aufs Abstellgleis geschoben. Die Deutsche Bahn hat ihnen ein durch eine Zeichnung witzig anmutendes Schreiben geschickt. „Zur neuen Brücke am Stromgraben legen wir noch ein paar Sperrungen dazu“, heißt es darin.


Erste Kündigungen sind raus


Das Problem: Ohne Schienenersatzverkehr kommt kein Fahrgast mehr automatisch an der Mittelmole vorbei. Die S-Bahn soll vom 1. Oktober bis 30. April 2016 nur bis Haltepunkt Werft fahren. „Das bedroht massiv unsere Existenz“, beschreibt Detlef Dietzsch von der Aquaro GmbH. Er hat gegen seinen Willen vorsorglich Angestellten kündigen müssen, um die Fristen einzuhalten. Und Dietzsch hat Unterschriften von Kollegen, Gastronomen sowie Händlern gesammelt und diese mit einem Schreiben persönlich im Büro des Oberbürgermeisters abgegeben. Darin betonen die betroffenen Unternehmer, dass sie wissen, dass Baumaßnahmen mit Einschränkungen verbunden sind. Sie weisen auch auf die existenzielle Bedeutung eines Schienenersatzverkehrs zwischen Haltepunkt Werft und dem Bahnhof Warnemünde hin. „Wir fordern die Stadt auf, alles zu unternehmen, damit ein solcher eingerichtet wird“, sagt Dietzsch. Gastronom Bertel Warnke, Chef vom Herbert’s, ergänzt: „Wir hatten die Generalprobe beim Bahnstreik im Mai mit enormen Umsatzeinbußen und Absagen“, sagt er. Ein weiteres Problem: „Abends kommen unsere Mitarbeiter nicht mehr gut von der Arbeit hier weg.“

Noch hat Unternehmer Ulrich Karnatz, der für einen Fischwagen, den Stromblick und Mien Herzing zuständig ist, von Kündigungen abgesehen. Aber wenn sich die Lage so drastisch verändert, kann er auch für nichts garantieren. „Außerhalb der Saison lebt Warnemünde von den Rostockern und Gästen aus der Umgebung, gerade an den Wochenenden kommen viele mit der S-Bahn.“

In der Tourismuszentrale haben die Unternehmer einen Ausdruck bekommen, in dem vom Schienenersatzverkehr die Rede ist. Es handelt sich aber um den regulären Busverkehr der Linie 36 und 37. Die 36 verkehrt derzeit vier Mal stündlich, die 37, die den Kirchenplatz anfährt nur zwei Mal pro Stunde. Bis gestern hatte Bausenator Holger Matthäus (Grüne) von den Sorgen nichts gehört. „Öffentlicher Nahverkehr hat für Warnemünde große Bedeutung“, sagt er. Matthäus spricht von Bemühungen, eine annehmbare Verbindung zum Werftbahnhof zu organisieren. Damit meint er die Verdichtung der Taktzeiten. Busse über die neue Brücke in Richtung Bahnhof zu führen, sieht er problematisch. „Das ist ein erheblicher Umweg“. Seine Hoffnung auf einen Schienenersatzverkehr zum Bahnhof ist eher gering.


Vielleicht Treffen mit Beirat und Betroffenen


Auch IHK-Präsdident Claus Ruhe Madsen hat Verständnis für die Betroffenen. „Irgendwann müssen allerdings die Bauarbeiten gemacht werden“, sagt er. Die Idee, Taktzeiten zu verdichten, hält er für einen guten Anfang. „Vielleicht müssen sich der Ortsbeirat, die Rostocker Straßenbahn AG und Betroffene zusammensetzen, um nach einer Lösung zu suchen.“ Was auf jeden Fall rechtzeitig bedacht werden muss: Wie kann der große Ansturm zu Silvester und zum Warnemünder Turmleuchten unter den Umständen bewältigt werden. „Es ist wichtig, rechtzeitig ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten“, so Madsen.

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