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Unternehmen in MV verschwenden Fachkräfte-Potenzial

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erstellt am 03.Apr.2012 | 11:33 Uhr

Schwerin | Von der Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt haben schwerbehinderte Arbeitslose bislang nur wenig profitiert. Während die Zahl aller Erwerbslosen im Land im März um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken ist, ging die Quote bei Schwerbehinderten nur um 2,7 Prozent zurück. Und das, obwohl der Fachkräftemangel um sich greift und nur 16,2 Prozent der Menschen mit Behinderungen im Land keinen Berufsabschluss haben. Zum Vergleich: Deutschlandweit liegt diese Quote bei 40,5 Prozent.

Angesichts der hohen Zahl von qualifizierten schwerbehinderten Arbeitslosen werde dieses Potenzial von Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern nicht in ausreichendem Maße genutzt, meint Horst Schmitt von der Arbeitsagentur Nord. "Wir können nur an die Arbeitgeber appellieren, die Bewerber zu Vorstellungsgesprächen einzuladen, damit sie eine Chance bekommen, sich zu präsentieren."

Bei 85 Prozent der Betreffenden sei die Behinderung gar nicht sichtbar, räumt Schmitt mit einem gängigen Klischee auf. Häufig seien auch die finanziellen Fördermöglichkeiten bei der Beschäftigung Behinderter bei den Unternehmen nicht bekannt. Sie reichten von der Einrichtung des Arbeitsplatzes bis hin zu Lohnkostenzuschüssen.

Die gesetzlich vorgeschriebene Pflichtquote von fünf Prozent mit schwerbehinderten Menschen zu besetzenden Arbeitsplätzen wurde nach Angaben des Sozialministeriums in MV im Jahr 2009 mit 4,6 Prozent "nahezu erfüllt". Das lag allerdings vorrangig daran, dass öffentliche Arbeitgeber auf eine Quote von 6,8 Prozent kamen. Bei privaten Arbeitgebern waren es dagegen nur 3,7 Prozent und damit weniger als im Bundesdurchschnitt. Warum in Mecklenburg-Vorpommern weit mehr Behinderte einen Berufsabschluss haben als bundesweit, konnte das Sozialministerium nicht beantworten.

Horst Schmitt von der Bundesagentur für Arbeit hat dafür zumindest eine allgemeine Erklärung. "Wir haben in den neuen Bundesländern grundsätzlich eine andere Qualifikationsstruktur. Auch bei Alleinerziehenden ist die Rate mit beruflichem Abschluss doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt." Trotzdem zählten auch sie nicht zu denjenigen, die von der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt profitieren. Angesichts des demografischen Wandels könne man den Firmen nur immer wieder nahelegen, sich dieses Fachkräftepotenzial zu sichern.

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