Unser kleines Paradies in Rostock

Glückliche Familie: Nadine Ohland, Nico, Shirley (5) und Lennox (2) Kritsch (v. l.) lieben ihren Garten. Hier können die Kinder ohne Gefahr toben, während die Erwachsenen sich vom Alltagsstress erholen.georg scharnweber
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Glückliche Familie: Nadine Ohland, Nico, Shirley (5) und Lennox (2) Kritsch (v. l.) lieben ihren Garten. Hier können die Kinder ohne Gefahr toben, während die Erwachsenen sich vom Alltagsstress erholen.georg scharnweber

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28. Mai 2013, 09:11 Uhr

Groß KLein | Wenn sich Nico Kritsch mit seiner Familie auf den Weg in die Kleingartenanlage Werftblick macht, schreien die Kinder hurra. In der Parzelle, die der Groß Kleiner 2012 erworben hat, sind sie an der frischen Luft und können fernab vom gefährlichen Straßenverkehr spielen und toben. Während die fünfjährige Shirley ein eigenes Beet hat, um das sie sich kümmert, und der zweijährige Lennox in der Sandkiste buddelt, können Kritsch und seine Freundin Nadine Ohland die Gartenarbeit erledigen oder einfach nur relaxen. "Wir sind richtig glücklich mit unserer Entscheidung, den Garten zu kaufen", sagt der Vater. "Wenn wir nicht arbeiten, sind wir jeden Tag hier."

Kostengünstige Möglichkeit der Naherholung

Familie Kritsch ist nicht die einzige Familie in Rostock, die die Kleingartenanlage für sich entdeckt hat. "Wir haben viele Anfragen von jungen Leuten mit Kindern, die raus aus der Wohnung und einen Garten bewirtschaften wollen", sagt Eckhard Hamann, Vorsitzender des Vereins Werftblick. Grund: Viele Eltern wollen, dass ihre Kinder nicht nur vor dem Fernseher oder Computer sitzen, sondern in die Natur kommen. Außerdem sei ein Garten eine kostengünstige Möglichkeit der Naherholung, so Hamann. Nachwuchsprobleme und Leerstand von Parzellen kennt der Vorsitzende deshalb nicht. Allein im vergangenen Jahr seien in seiner Anlage in Groß Klein, wo das Durchschnittsalter zurzeit zwischen 65 und 70 Jahren liegt, vier junge Familien dazugekommen. "Das ist sehr erfreulich", sagt er.

Bei den älteren Pächtern im Verein Werftblick ist der Nachwuchs gern gesehen. "Alle sind nett und grüßen", sagt Nico Kritsch. Und wenn er sich mal ein Gartengerät ausleihen will, sei das kein Problem. Man greife sich gegenseitig unter die Arme. Auch an Tipps und Ratschlägen mangele es nicht. "Was der eine nicht weiß, weiß der andere", so der 27-Jährige. Viele Ältere geben ihre Gärten auch an Jüngere ab, wenn sie sich der Arbeit nicht mehr gewachsen fühlen oder ihnen die Kosten zu hoch werden, so die Erfahrung von Eckhard Hamann. Je nach Zustand koste ein guter Garten rund 3000 Euro. Eine Summe, die nicht jeder Interessent aufbringen könne. Aber manchmal könne mit dem Vorpächter auch eine Ratenzahlung vereinbart werden.

Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag

Neben dem nötigen Kleingeld, das aufgebracht werden muss, gibt es für die Gartenanwärter auch noch eine andere Hürde zu nehmen: das Bewerbungsgespräch beim Vereinsvorstand, in dem sie ihre Vorstellungen darlegen sollen. "Wenn der Bewerber rundum einen vernünftigen Eindruck macht, ist das kein Problem", sagt Hamann. Bislang sei kaum einer abgelehnt worden. Wer jedoch nur Rasen pflanzen und Partys feiern wolle, habe keine Chance. Ein Drittel Laube, ein Drittel Rasen, ein Drittel bewirtschaftete Fläche mit Obst und Gemüse - so lautet die Regel, an die sich die Pächter halten müssen.

Darüber hinaus darf es bei Feiern nicht zu laut werden und die Laube darf auch nicht als Zweitwohnsitz genutzt werden. Beschwerden gebe es aber kaum, so der Vereinsvorsitzende. Ihre Laube haben Nico Kritsch und seine Familie bislang noch nicht eingerichtet. "Wir wollten erst mal draußen alles in Ordnung bringen", sagt der junge Vater, der unter anderem Kartoffeln, Möhren, Bohnen, Gurken und Brokkoli angebaut hat. Auch gefeiert haben die Groß Kleiner in ihrer Parzelle noch nicht. Wahrscheinlich wird im Sommer Premiere sein, wenn Kritschs Freundin Geburtstag hat. Doch in erster Linie will die Familie in ihrem Kleingarten abends und am Wochenende die Ruhe genießen - als Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag.

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