Fusion in Rostock : Unikliniken bilden ein Zentrum

Auf dem Gelände des Rostocker Südstadtklinikums soll das Eltern-Kind-Zentrum gebaut werden. Die Leitung der angesiedelten Kindermedizin soll der Unimedizin obliegen.
Auf dem Gelände des Rostocker Südstadtklinikums soll das Eltern-Kind-Zentrum gebaut werden. Die Leitung der angesiedelten Kindermedizin soll der Unimedizin obliegen.

Rostocker und Greifswalder Kinderonkologien wollen kooperieren. Prof. Michael Radke will hiesige Einrichtung optimieren.

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17. August 2016, 08:00 Uhr

Die Universitätsmedizin Rostock könnte bald ein gemeinsames Zentrum für Kinderonkologie mit der Uniklinik Greifswald haben. „Wir arbeiten an einem Konzept, dass die Kinderonkologie im Land zukunftsfähiger machen soll“, sagt der Leiter der Rostocker Kinderklinik Prof. Dr. Michael Radke.

Im September solle der Antrag ans Land gehen, das Sozialministerium gebe Rückenwind. Ende Oktober soll mit dem Landeskrankenhausplan abgestimmt werden. Der Rostocker Kinderonkologe Prof. Dr. Carl Friedrich Classen arbeitet an einer übergeordneten Struktur für beide Häuser. Die Standorte würden je bleiben, aber Vorteile wachsen. „Telemedizin wäre eine Chance, dass wir uns in Konferenzen austauschen“, sagt Classen. Die Urlaubszeit ließe sich besser kompensieren, sagt Radke. Außerdem gebe es die Option, Personal in Stammzellentransplantation auszubilden, die in Greifswald angesiedelt ist. „Bei uns wären das Palliativmedizin und Hirntumore“, sagt Classen. Das Land ist dünn besiedelt. 30 bis 40 neue Fälle von Krebs bei Kindern gibt es im Jahr, behandelt werden sie in MV sonst nur in Schwerin. Spezialisten für alles sind nicht überall, aber weite Wege wie nach Hamburg auch nicht das, was die Eltern wollen. Die Zentrumsstruktur soll eine Lösung sein, auch um bisherige Probleme zu lindern.

An der Rostocker Kinderklinik gibt es zwei Pflegekräfte mit Spezialausbildung und zwei spezialisierte Ärzte für Kinderonkologie – drei Ärzte wären aber Bedingung. Kollegen, die für den Posten vorgesehen waren, hatten Rostock verlassen. Nun soll ein Leipziger Arzt hierher wechseln.

„Die Kinderonkologie ist ein Symptom für die Gesamtmisere“, sagt Radke. Die Uniklinik sei nicht mehr, was sie einst war. Mit Spezialsprechstunden und neuen Kollegen arbeitet er am Wandel. „Man kann, wenn man gute Strukturen hat, auch in der Kindermedizin wirtschaftlich arbeiten“, sagt Radke, „wenn man alles unter einem Dach hat.“ Vor zehn Jahren war die Früh- und Neugeborenenmedizin an die Südstadtklinik gegangen. Das sei lebensfremd, weil zu operierende Säuglinge transportiert werden müssten, und torpediere die Attraktivität der Uni für die Ausbildung, was ein Facharztproblem provoziere. Im für den Standort Südstadt geplanten Eltern-Kind-Zentrum will Radke die Kindermedizin wieder unter der Trägerschaft der Uni vereint sehen. Die Notwendigkeit, die er dafür sieht, hat er mit Sozial- und Bildungsminister, Oberbürgermeister und Finanzsenator erörtert. Der allgemeine Antrag für das Zentrum ist raus, eine Grundsteinlegung des rund 50-Millionen-Euro-Baus ist 2019 denkbar. Für das heutige Gebäude der Kinderklinik in der Ernst-Heydemann-Straße ist im Gespräch, dort eine zentrale Kopfklinik einzurichten.



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