Messe für Großmotoren an der Universität Rostock : Rostocker Forscher fokussieren sich auf umweltfreundlichere Treibstoffe für die Schifffahrt

Motorenforscher Prof. Bert Buchholz vor einem der Einzylindermotoren am Forschungsstandort Rostock.
Motorenforscher Prof. Bert Buchholz vor einem der Einzylindermotoren am Forschungsstandort Rostock.

Zum sechsten Mal findet die internationalen Großmotoren-Tagung ab kommenden Donnerstag an der Universität Rostock statt. Corona bedingt wird die Messe partiell Online übertragen. Hier tauschen sich Forscher, Entwickler, Hersteller und Anwender von Großmotoren aus.

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01. September 2020, 16:59 Uhr

Rostock | Die Universität Rostock macht sich mit der Forschung zur Schadstoffsenkung im Schiffsverkehr international einen Namen. „Die heutigen Schifffahrtskraftstoffe haben Öko-Reserven“, sagt Professor Bert Buchholz, Inhaber des Lehrstuhls für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren. Buchholz ist Gastgeber der sechsten internationalen Großmotoren-Tagung, die am kommenden Donnerstag in Rostock beginnt.

Online Übertragung der Messe

Die Messe findet auf Initiative der Universität Rostock seit 2010 alle zwei Jahre statt. „Wir freuen uns, dass trotz der aktuell geltenden Einschränkungen durch Corona diese Tagung als Hybrid-Event über die Bühne gehen kann“, sagt Buchholz. Das bedeutet, dass statt der üblichen 160 Gäste nur knapp 100 Gäste aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien im Tagungshotel Radisson Blu in Rostock begrüßt werden dürfen. Für Teilnehmer aus England, Norwegen, Japan, China und Dänemark wird die Veranstaltung komplett auf einer Online-Plattform übertragen.

Motoren auf dem Prüfstand

Auf einem der Schiffsmotoren-Prüfstande der Universität Rostock steht der größte 1-Zylinder-Forschungsmotor einer europäischen Universität. Hier werden Simulationsverfahren und Motorenversuche miteinander verknüpft sowie neuartige Brennverfahren für Schiffsmotoren experimentell erforscht. Im Fokus stehen dabei so genannte Dual-Fuel-Motoren, die sich wahlweise mit Diesel oder Erdgas betreiben lassen. Oberstes Ziel der Rostocker Forscher ist es, neue schadstoffarme und klimaneutrale Motoren zu entwickeln. „Der Klimawandel und die Notwendigkeit zur schnellen und drastischen Reduzierung von CO2-Emissionen stellen die internationale Schifffahrt vor völlig neue Aufgaben“, formuliert Professor Buchholz.

Dazu gehört auch nachhaltige Kraftstoffe zu entwickeln, die im günstigsten Fall überhaupt kein zusätzliches Kohlenstoff-Dioxid freisetzen. „Wir wollen erreichen, dass die Umweltbelastungen durch Großmotoren weltweit stark reduziert werden. Dazu forschen wir an neuen, sauberen Kraftstoffen und neuen Technologien, damit zukünftig auch anspruchsvollste Abgasnormen im Schiffsverkehr eingehalten werden können“, betont Professor Buchholz. Und genau dieses Anliegen vereint die Community der Großmotoren-Entwickler auf der gemeinsamen Tagung, um „in aller fachlichen Tiefe Lösungen für saubere Schiffsmotoren zu diskutieren und dann zu etablieren“.

Gasförmiger Treibstoff steht im Fokus

Weltweit gibt es nur sehr wenige Universitäten, die im Bereich Schiffsmotoren und maritime Kraftstoffe an Lösungen für den Klima- und Umweltschutz forschen. Bei den Kraftstoffen steht der optimale Einsatz von Erdgas im Fokus. Professor Buchholz spielt dabei gemeinsam mit den Experten des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik an der Universität Rostock ganz vorn mit. „Die aktuellen Umweltbelastungen durch Feinstaub im Dieselbetrieb müssen dringend reduziert werden“, sagt der Experte.

Der wichtigste Schlüssel für eine CO2-neutrale Schifffahrt der Zukunft liege für Professor Buchholz in der Wahl der eingesetzten Kraftstoffe. Da eine direkte Elektrifizierung nur für kleine Schiffe und kurze Strecken möglich sei, „werden gasförmige oder flüssige synthetische Kraftstoffe eine immer größere Rolle spielen". Grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien bilde dabei stets die Ausgangsbasis.

Laut Buchholz werden in den kommenden Jahren intensive Forschungen notwendig sein, um die verschiedenen Kraftstoffe hinsichtlich ihrer Eignung und Auswirkungen auf Antriebstechnologien, Umwelt, Sicherheit, Wertschöpfung und Infrastruktur zu bewerten und fundierte strategische Entscheidungen abzuleiten. „Nur so lassen sich Umweltkonflikte vor allem in Hafen-und Küstenregionen vermeiden“, betont Professor Buchholz.

Herausforderungen für die Forschung sind...

„Die zukünftigen Schiffskraftstoffe müssen zusätzlich zur notwendigen Klimaneutralität eine ganze Reihe weiterer Anforderungen erfüllen. Schiffe sind oft über zwanzig Jahre in Betrieb und müssen außerdem ihren Kraftstoff weltweit tanken. Deshalb ist es für eine schnelle Einführung klimaneutraler Kraftstoffe wichtig, dass diese mit bestehenden Schiffen weitgehend kompatibel und mit den weltweit verfügbaren fossilen Kraftstoffen mischbar sind. Die teuren erneuerbaren Kraftstoffe müssen außerdem Fortschritte beim Wirkungsgrad und Emissionsverhalten ermöglichen.“

Seit 1955 forscht die Universität Rostock an Verbrennungsmotoren. Dabei fühlen sich die Verantwortlichen des Lehrstuhls für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren beidem gleich verpflichtet, den Herausforderungen einer wirtschaftlichen Betriebsweise und höchsten Umweltansprüchen beim Schiffsbetrieb.

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