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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. Oktober 2017 | 01:57 Uhr

Rechnungshof-Bericht : Uni geht auf die Barrikaden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Akademischer Senat fordert: Gutachter sollen ihre Aussagen zur Personalausstattung zurücknehmen.

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2015 | 06:00 Uhr

Die Rostocker Universität ohne Theologische Fakultät? Unvorstellbar – und doch denkbar, wenn ein Gutachten des Landesrechnungshofes (LRH) zur Finanzausstattung der Universitäten und Hochschulen im Land eins zu eins in die Praxis umgesetzt würde. Denn das Gutachten geht davon aus, dass die beiden Universitäten des Landes „ausfinanziert“ sind, wenn sie 96 Prozent der für ihren Personalhaushalt erforderlichen Mittel erhalten. „Abenteuerlich“ sei das, betonte gestern der Vorsitzende des Akademischen Senats der Universität Rostock, Prof. Dr. Martin Benkenstein. „Sämtliche unserer Aufgaben werden an hundert Prozent Personalausstattung gemessen.“ Vier Prozent weniger, das bedeute für die Rostocker Universität 50 bis 60 Stellen – „das wären anderthalb Theologische Fakultäten, die man permanent freihalten müsste“, so Benkenstein. Der LRH müsse seine Aussage bezüglich der Personalausstattung deshalb unbedingt revidieren, forderten Benkenstein und die Greifswalder Senatsvorsitzende, Prof. Dr. Maria-Theresia Schafmeister, unisono.

Dass Universitäten und Hochschulen im Land mit dem Bildungsministerium um ihre Finanzausstattung streiten, ist nichts Neues. Beide Parteien hatten sich deshalb verständigt, den LRH als unabhängigen Dritten zur Prüfung einzuschalten. Sein Bericht liegt seit Mitte Dezember vor – und enthält, wie die Senate beider Universitäten im Land betonen, viele begrüßenswerte Hinweise, beispielsweise zum Abbau des Investitionsstaus im Bereich der wissenschaftlichen Geräte sowie bei den Universitätsbauten.

Aber: „Prüfauftrag war, die tatsächlichen Bedarfe der Universitäten und Hochschulen zu ermitteln – dieser Auftrag ist nicht erfüllt worden“, betont Schafmeister. Statt dessen habe der LRH mit Jena, Magdeburg, Kiel und der Universität des Saarlands Einrichtungen zum Vergleich der hiesigen Hochschulen herangezogen, für die nicht nachgewiesen ist, dass sie selbst ausreichend finanziert sind. Von der Uni des Saarlandes wisse er das genau, erklärte Benkenstein. Beide Senate widersprechen deshalb auch der Schlussfolgerung des LRH entschieden, dass ihnen ausreichend Mittel zur Verfügung stehen würden, um ihren Aufgaben in Forschung, Lehre und Weiterbildung nachzukommen. Die Rostocker Uni erhalte zwar einen Landeszuschuss von 100 Millionen Euro, dennoch tue sich aktuell eine Finanzierungslücke von 17,2 Millionen Euro auf, betonte Benkenstein.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) reagierte darauf mit Verwunderung. Die Rücklagen der Hochschulen seien auch im letzten Jahr gestiegen – um 5 auf das Rekordniveau von 47 Millionen Euro. „Rostock erwirtschaftet mit 2,8 Millionen Euro erneut den höchsten Überschuss innerhalb des Landes, und Greifswald kann innerhalb eines Jahres das laufende Defizit von 2 auf 0,25 Millionen Euro reduzieren“, so Brodkorb. „Angesichts einer Rekordrücklage von Unterfinanzierung zu sprechen, fällt mir etwas schwer.“

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