Rostock-Südstadt : Uni erhält modernstes Gewächshaus

Fast geschafft: In insgesamt drei Fisch- und sechs Pflanzenkammern der modernen Anlage kann ab dem 20. März auf fast 1000 Quadratmetern experimentiert werden. Fotos: Johanna Eggert
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Fast geschafft: In insgesamt drei Fisch- und sechs Pflanzenkammern der modernen Anlage kann ab dem 20. März auf fast 1000 Quadratmetern experimentiert werden. Fotos: Johanna Eggert

Rostocker Wissenschaftler wollen Fisch- und Pflanzenzucht kombinieren. Fisch-Glasbau soll in rund acht Wochen vollendet sein.

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17. März 2015, 09:00 Uhr

Das revolutionäre Gewächshaus der Uni nimmt Form an. „Letzte Woche wurde der erste Bauabschnitt an den Betrieb für Bau- und Liegenschaften übergeben“, sagt Prof. Harry Palm, Inhaber des Lehrstuhls für Aquakultur und Sea-Ranching. Ab dem 20. März soll die Kombination von Fisch- und Pflanzenzucht im so genannten Fisch-Glashaus auf dem Gelände der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät im Justus-von-Liebig-Weg möglich sein. In rund acht Wochen soll das Gebäude vollständig stehen.

„Wir verbinden kommerzielle, wirtschaftlich arbeitende Welszuchtanlagen mit der Produktion von Nutzpflanzen wie Gurken, Tomaten und Kräutern“, beschreibt der Münsteraner das Aquaponik-Prinzip. Diese Welse werden seit sieben Jahren in MV produziert und haben wissenschaftlich nachgewiesen eine sehr hohe Fleischqualität. Durch ihre natürliche Verdauung reichern sie das Wasser an, was wiederum den Pflanzen zugutekommt.

Die neue, fast 1000 Quadratmeter umfassende Anlage beinhaltet das alte Gewächshaus, in das ein modernes Gebäude gesetzt wurde, einen Zwischenbau, von dem aus Wasser in jede der sechs Pflanzenkammern gepumpt wird sowie das neue Gewächshaus für die Pflanzen selbst. „Damit wollen wir die bestmögliche Synergie zwischen Fisch- und Pflanzenproduktion mit den geringstmöglichen Abfallstoffen erzeugen“, schwärmt der Projekt-Initiator. Die Pflanzen ziehen über ihre Wurzeln die benötigten Nährstoffe aus dem gefluteten Becken, sodass es anschließend – gefiltert – wieder für die Fischzucht genutzt werde kann. „Es wird ein natürlicher Kreislauf unter einem Dach dargestellt“, so Palm.

Im Oktober läuft das Pilotprojekt aus. Doch die Nachfolgeförderung steht: „Die nächsten drei Jahre beschäftigen wir uns mit gesunder aquaponischer Nahrungsmittelproduktion in MV“, so der Fischereibiologe. Das Thema sei wichtig, da die Welt auf Wasser- und Proteindefizite zulaufe.

Was das Ziel der Anlage ist? „Wir hoffen, Aquaponik und kommerzielle Fischzucht in Deutschland voranzubringen“, sagt Palm. Dabei sollen auch afrikanische und Buntbarsche sowie Karpfenartige untersucht werden. „Aufgrund der Dimensionierung der Anlage lassen sich die Ergebnisse der wissenschaftlichen Experimente zur ökologisch nachhaltigen Fischzucht direkt in die Wirtschaft übertragen.“ Die Vorteile: niedriger Wasserverbrauch, ganzjährige Erträge, geringe Investitionskosten und ein weitestgehend pestizidfreier Anbau.

Mit dem neuen Glashaus verfügt die Uni über „ein in dieser Form europaweit einmaliges System, in dem künftig sämtliche Fragen zum Thema Aquaponik bearbeitet werden können“, so Palm. Sieben Aquakultur-Experten wollen untersuchen, welche Auswirkungen das Prozesswasser auf die Pflanzen hat, welche Nährstoffe diese aufnehmen und inwieweit künstliches Düngemittel eingespart werden kann.

Ausgestattet ist das Gewächshaus mit entsprechenden Abschattungsanlagen, einer Kohlenstoffdioxid-Begasungsanlage sowie automatisierter Klimatechnik. Zudem werden Aquakultur-Studenten der hiesigen Uni in der Experimentalanlage ausgebildet. „Damit sind wir künftig international konkurrenzfähig“, betont der 48-Jährige.

Insgesamt arbeiten fünf Lehrstühle der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät an dem innovativen Projekt. Diese befassen sich detailliert mit Aspekten wie Fisch- und Pflanzenzucht, Tiergesundheit, Standortkunde und modernen Pflanzenzuchtsystemen. Unterstützt wird die 2011 entstandene Projekt-Idee durch das Land MV und den Europäischen Fischereifonds (EFF).

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