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Professor Horst Klinkmann wird 80 : Unermüdlich und mit vielen Ideen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

International gefragter Experte für künstliche Organe, Präsident des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern, Visionär, Hansa-Urgestein

Horst Klinkmann sitzt in seinem Wohnzimmer und blickt auf die Blumenpracht in seinem Garten. „Das ist mein Revier, mein Ausgleich“, sagt der international renommierte Mediziner. Scheinbar tankt er dort so viel Kraft, dass er nimmermüde ist , seine Lebenswerke fortzusetzen – auch im Alter von 80 Jahren. Heute begeht Horst Klinkmann diesen runden Geburtstag und will den großen Bahnhof nicht, dem ihm viele Weggefährten und Freunde gern bereitet hätten. Er nimmt sich lieber zusammen mit seiner Familie – Frau Hannelore und Sohn Jens – eine Auszeit. Das Trio entflieht dem zu erwartenden Gratulations-Trubel, wird auf einem Schiff unter sich ein wenig feiern.

Aber, wenn die kleine Reise in ein paar Tagen beendet ist, wird Horst Klinkmann sich mit der ihm eigenen Akribie und Hartnäckigkeit wieder an die Weiterführung seiner Projekte machen.

Das ist Mitte Juli die 11. Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft. Bundesweit eine der größten Konferenzen ihrer Art, ist die Tagung „sein Kind“, er hat sie groß gemacht und sie wäre ebenso wie die Gesundheitswirtschaft im Nordosten ohne ihn kaum denkbar. „Es soll die letzte sein, für die ich die alleinige Verantwortung trage“, sagt Klinkmann. Doch alle hoffen, dass er auch bei der 12. Konferenz den Hut aufhaben wird. Nahrung bekommen diese Gedanken, weil die Äußerung „meine letzte Branchenkonferenz“ so regelmäßig fällt wie die erfolgreiche Konferenz selbst. Seit Jahren liege er der Landesregierung in den Ohren, sich um seine Nachfolge bei der Organisation oder im Vorsitz im Kuratorium Gesundheitswirtschaft sowie beim Biotechnologie-Netzwerk BioCon Valley zu kümmern. „Ich hätte gern die Zeit, die Leute ein Stück zu begleiten“, sagt er. Die Qualität des Übergangs dürfe nicht in Gefahr geraten. Auch Schwerin müsse der Tatsache ins Auge sehen, dass das Risiko steigt, dass er von heute auf morgen nicht mehr die erforderliche Leistung bringen kann.

Horst Klinkmann möchte, dass die von seiner Arbeit maßgeblich geprägten Entwicklungen zum Gesamtthema Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern „nicht einschlafen und unser Land“ in einen Rückstand bringen, der möglicherweise nicht mehr aufzuholen sein wird“. Klinkmann spricht aus Erfahrung: „Ich musste erleben, dass Dinge, die ich mit großem Aufwand und Freude aufgebaut habe, zerstört wurden“, begründet Klinkmann sein Festhalten. So wurde er 1992 als Chef der Rostocker Uni-Klinik für Innere Medizin entlassen, weil die Nähe zur SED zu groß gewesen sein soll. Der Experte für künstliche Organe lehrte dann in Bologna. Acht Jahre danach entschuldigten sich zwei Landesminister. Jede Niederlage sei für ihn eine Herausforderung, die Dinge wieder umzudrehen.

„Klinkmann gehört zu den Personen, die den Aufbau unseres Landes in den letzten 25 Jahren besonders stark geprägt haben“, sagt Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Es sei maßgeblich sein Verdienst, dass die Gesundheitswirtschaft heute zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählt. Er habe sich auch auf vielfältige Weise für das Land engagiert: bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, bei Hansa Rostock oder den Erhalt der plattdeutschen Sprache. „Es ist eine riesige Leistung, die er bis heute vollbringt.“

Dutzende Ideen spuken durch den Kopf des stets um einen Spruch nicht verlegenen Seniors. Ideen, die für die Zukunft angelegt sind. Schon als aktiver Wissenschaftler hatte er beispielsweise mit der Entwicklung künstlicher Organe international von sich Reden gemacht. 14 internationale Ehrendoktoren-Titel sind ein Zeichen dafür.

Diese Ideen dienen alle der Gesundheitswirtschaft. So möchte er den Gedanken eines Heilwalds weiterentwickeln. Wurde vor zwei Jahren noch skeptisch auf diese Erfindung geschaut, gibt es inzwischen fünf im Nordosten. „Die Kommunen haben erkannt, welchen Wert ein Wald für das Wohlbefinden der Einwohner und der Gäste hat“, sagt Klinkmann.

Andere Projekte sind die Suche nach Beispielen für individuelles Wohnen im hohen Alter und auf dem flachen Land oder das Zusammenführen der weltweiten Therapiesysteme – von der Traditionellen Chinesischen Medizin über die Arabische Kräutermedizin bis hin zur Klassischen Europäischen Medizin. Es gebe bereits Ansätze zur Kooperation, aber die Verwirklichung sei noch weit, weit weg. Auch möchte Klinkmann den neuen so genannten St. Lukas-Weg vollenden, der sich am spanischen Jakobsweg orientieren und von Groningen nach Danzig führen soll. Nach seinen Ideen wird er in Heilabschnitte eingeteilt werden. Die Benutzer, die zu Fuß, mit dem Fahrrad, oder auch mit Auto unterwegs sein werden, können sich in einem Teil um ihr Herz kümmern, in einem anderem um den Bewegungsapparat oder um mögliche urologische Probleme. „Wenn man von Groningen nach Danzig durchgelaufen ist und das lebend überstanden hat, ist man komplett durchgecheckt“, so Klinkmanns Vision.

80. Geburtstag Horst Klinkmann, das sind auch 50 Jahre FC Hansa. Von Anfang an war der Mediziner mit dabei, durchlief viele unterschiedliche Positionen und trug letztendlich über Jahrzehnte als Aufsichtsratsvorsitzender Verantwortung. Über all die Jahre aber – und das ist noch heute so – trägt er Hansa im Herzen. Wohl auch deshalb folgten ihm Vereinsmitglieder und Fans in seiner Amtszeit stets. „Ich erinnere mich gern an diese sehr erfolgreichen Jahre beim FC Hansa. Vor allem im Zusammenwirken mit meinem damaligen Vize im Aufsichtsrat, Wolfgang Holz, ist es uns in Gemeinsamkeit zwischen Aufsichtsrat und Vorständen gelungen, viel auf den Weg zu bringen, beispielsweise den Stadionneubau. Der Tod von Wolfgang Holz hat eine sehr große Lücke beim FC Hansa gerissen“, so Klinkmann.

Natürlich fühlt er sich dem Verein noch immer verpflichtet, hilft, wo er kann. Deshalb hat ihn die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung der zurückliegenden Jahre sehr geschmerzt. Jetzt hofft er, dass diese Saison gut zu Ende geht und dann Stabilität einzieht. Das wäre ganz sicher ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk für den heutigen Jubilar.

 

 

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