Theater : Und plötzlich sind alle gleich

Alles beginnt mit einem Virus: Ob Marco Geisler und seine Schauspielkollegin Paula Berndt in dem Stück „Die Herde“ zu Nashörnern werden, ist noch ungewiss. Paula zumindest fühlt sich gar nicht gut. Ob sie infiziert ist?
Alles beginnt mit einem Virus: Ob Marco Geisler und seine Schauspielkollegin Paula Berndt in dem Stück „Die Herde“ zu Nashörnern werden, ist noch ungewiss. Paula zumindest fühlt sich gar nicht gut. Ob sie infiziert ist?

Ensemble Spielbetrieb feiert am Sonnabend mit dem Stück „Die Herde“ Premiere im Großen Haus

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11. Dezember 2014, 06:00 Uhr

Eine Erkältung geht um. Der Virus ist hoch infektiös, die Ansteckungsgefahr riesig. Nach und nach ist die gesamte Stadt befallen. Das Krankheitsbild: Jeder wird zum Nashorn.

Am kommenden Sonnabend, 13. Dezember, feiert die Inszenierung „Die Herde“ Premiere im Großen Haus des Volkstheaters. Vom Jugendensemble Spielbetrieb auf die Beine gestellt, beruht das Stück auf Eugène Ionescos Werk „Die Nashörner“. Dabei ist die Krankheit nur ein Bild für etwas Tiefergehendes: „Die Menschen geben ihre Individualität auf. Sie werden zu Nashörnern, weil plötzlich alle Nashörner sind. Nashorn sein, ist bequem. Man fügt sich der Masse. Doch manchmal geht man auch darin unter“, erklärt Schauspieler Marco Geisler. „Nur starke Charaktere schaffen es, aus dem Raster zu fallen. Wir haben uns die Frage gestellt, warum Menschen mit dem Strom schwimmen“, ergänzt er. Um die Vor- und Nachteile eines Individualitäts-Verlustes darzustellen, hat die siebenköpfige Gruppe verschiedene Szenen erarbeitet. Ob dabei am Ende wirklich alle Nashörner werden, bleibt offen.

„Will ich, was alle wollen, oder will ich, was ich will? Und wer bin ich noch, wenn ich will, was alle wollen?“, stellt Paula Berndt in den Raum und knüpft damit an die Fragestellung der Inszenierung an. „Obwohl wir unter Jugendtheater laufen, ist das Schauspiel durchaus auch für Erwachsene geeignet. Die Frage nach dem ,Wer bin ich?’ sollte sich jeder stellen“, so die 17-Jährige.

Spielbetrieb hat während der Vorbereitungen für „Die Herde“ ohne Textbuch gearbeitet. Es gab auch keinen Regisseur oder Dramaturgen. Improvisation gehöre für das Ensemble auf der Bühne dazu. „Ohne Leiter zu arbeiten, war gar nicht so leicht. Wir sind Künstler und haben alle unsere eigenen Ideen, die wir einbringen wollten“, sagt Geisler. „Geprobt haben wir seit August. Wir wollen ,Die Herde’ bis zum Ende der Spielzeit zwei Mal monatlich aufführen“, ergänzt der 23-Jährige. Auch, weil es die Gruppe, so wie sie derzeit aufgestellt ist, nach der Saison nicht mehr geben wird. Einige der Darsteller stecken mitten im Abitur und wollen nach ihrem Schulabschluss neue Wege bestreiten. So wie Paula: „Ich plane nach Costa Rica zu gehen. Dort werde ich auf einer Farm arbeiten.“

Termine: „Die Herde“ wird am 13., 14. und 28. Dezember sowie am 23. und 14. Januar, jeweils um 18 Uhr, aufgeführt. Die Vorstellung am 28. Dezember ist ausverkauft. Tickets für die anderen Aufführungen gibt es an der Theaterkasse in der Doberaner Straße 135.

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