Unbekannte plündern Schiffswracks

<strong>Kursteilnehmer </strong>vermessen ein Wrack in der Ostsee.<foto>nnn</foto>
Kursteilnehmer vermessen ein Wrack in der Ostsee.nnn

svz.de von
29. Juli 2012, 06:08 Uhr

Rostock | Unbekannte haben sich abermals an dem Schiffswrack eines etwa 100 Jahre alten Schleppers vor Warnemünde zu schaffen gemacht. Das haben die Teilnehmer des Schiffsarchäolgischen Seminars bei Tauchgängen in der Ostsee entdeckt. Der Rostocker Verein Gesellschaft für Schiffsarchäologie veranstaltete das Seminar vom vergangenen Montag bis Sonnabend zum 13. Mal. Ziel war es, Taucher aus ganz Deutschland für den Denkmalschutz unter Wasser zu sensibilisieren.

Dass dies dringend nötig ist, zeigen laut Vereinsvorsitzendem Martin Siegel die jüngsten Entdeckungen an dem Wrack vor Warnemünde. Nachdem bereits im Vorjahr das gesamte Vorschiff auseinandergerissen wurde, stießen die Taucher jetzt auf Spuren, die auf ein gezieltes Graben im Wrack deuten. "Wir wissen, dass Taucher dem Fundplatz Gegenstände entnehmen. Auch die neuen Spuren deuten auf eine gezielte Suche durch Souvenir-Jägern hin", sagt Siegel. "Dabei vergessen oder ignorieren die Schatzdiebe, dass es sich bei Schiffswracks um Denkmale handelt." Laut Siegel ist der Eingriff kein Einzelfall. Es gebe zahlreiche Beispiele dafür, dass Fundplätze nach Bekanntwerden geplündert werden und so ihre Aussagekraft als Denkmal und für die Forschung verlieren. Die Wissenschaftler und ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger befänden sich somit in einem ständigen Rennen gegen die Zeit.

Die Rostocker Vereinsmitglieder wünschen sich von der Landespolitik mehr Unterstützung. "Dass gerade in Mecklenburg-Vorpommern mit der langen Ostseeküste nicht mehr für Erforschung, Erhalt und Schutz des Kulturgutes unter Wasser getan wird, kann ich nicht nachvollziehen", sagte der Seminarteilnehmer und angehende Archäologe Stefan Dziwis aus dem bayerischen Fürth.

Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern des Seminars untersuchte und dokumentierte er ein Schiffswrack und ein Teil einer vermutlich hafenbaulichen Anlage vor Rostock. Die Ergebnisse werden laut Kursleiter Henrik Pohl in die Forschungen der Gesellschaft einfließen und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege übergeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen