Umwelt-Tricks mit der "Büchner"?

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17. Mai 2013, 09:08 Uhr

Rostock | Schon nächste Woche könnte die "Georg Büchner" aus dem Rostocker Stadtbild verschwinden. Einen neuen Eigentümer, der das Schiff wegbringen will, gibt es; die Erlaubnis zur Verholung hat Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) am Montag unterschrieben. Fraglich ist aber, ob diese Erlaubnis überhaupt hätte erteilt werden dürfen. Denn der Käufer hätte nachweisen müssen, wie er das zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung noch denkmalgeschützte Schiff erhalten will. So will es das Denkmalgesetz. Und ganz nebenbei: Weil die belgischen Interessenten den realistischen Erhalt aus Sicht der deutschen Behörden nicht überzeugend nachweisen konnten, wurde ihnen das Schiff nicht gegeben.

Was also hat der neue Eigentümer damit vor? "Ich zweifle daran, dass es lediglich um eine Verholung und nicht um eine Verschrottung geht", sagt Dr. Sybille Bachmann (Rostocker Bund). Auch der Freundeskreis Maritimes Erbe geht davon aus, dass das Schiff nach wie vor abgewrackt werden soll. So war es seit Januar stets öffentlich im Gespräch, so findet es sich auch in Unterlagen. Und nur so wäre nachvollziehbar, warum vom neuen Käufer kein Erhaltungskonzept gefordert wurde.

Doch sowohl Hafenkapitän Gisbert Ruhnke als auch Insolvenzverwalter Tobias Schulze, der das Schiff verkauft hat, sprechen jetzt nicht mehr von einer beabsichtigten Verschrottung. Auch in der OB-Erklärung ist lediglich von einer Verholung die Rede. Das bestärkt diejenigen, die vermuten, dass Umweltauflagen bewusst umgangen werden sollen. Gefährliche Stoffe, wie etwa der auf dem Schiff verbaute Asbest, müssen nämlich gesondert entsorgt werden.

Wie das Umweltbundesamt bestätigt, ist der Fall der "Georg Büchner" dort bereits bekannt. "Uns liegt eine Meldung über den Verdacht einer illegalen Verschrottung vor", sagt Sprecher Stephan Gabriel Haufe. Das Bundesamt informiere nun das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), die zuständige Aufsichtsbehörde. Das LUNG müsste auch bei einer offiziellen Verschrottung im Ausland eingeschaltet werden. Ohne ein solches Notifizierungsverfahren ist das Verschleppen von Müll über die Landesgrenze nach EU-Recht illegal. Hier ist ein Genehmigungsantrag für die Ver bringung der "Büchner" aber bislang nicht eingegangen, wie Sandra Pfrogner vom LUNG-Dezernat für Sonderabfall und grenzüberschreitende Abfallver bringung bestätigt.

Unabhängig davon, was aus der "Büchner" wird: Für Steffen Wiechmann, den stellvertretenden Vereinsvorsitzenden des Freundeskreises Maritimes Erbe, ist schon jetzt klar: "Selbst ein Geschenk nach Belgien wäre für die Stadt wesentlich glücklicher gewesen, als nun mit dem Verdacht auf eine illegale Verschrottung leben zu müssen."

Rund um die "Georg Büchner" gibt es weitere Ungereimtheiten. Bachmann zum Beispiel hinterfragt die sehr hoch angesetzten laufenden Kosten, die der Insolvenzverwalter für den Betrieb des Schiffes mit monatlich 14 000 Euro angibt. Auch die 300 000 Euro für das Insolvenzverfahren selbst seien ungewöhnlich hoch. "Ich frage mich, ob damit der Erlös für den Verein erhöht und für die Stadt geschmälert wird." Denn nach dem Verkauf und Abzug aller Kosten - für den laufenden Betrieb, Zahlungen an Gläubiger des ehemaligen Betreibervereins und das Insolvenzverfahren selbst - fließt der Erlös an die Stadt. Bachmann fordert deshalb die Stadtverwaltung auf, die Rechnungen genau zu kontrollieren. Dabei könnte sich herausstellen, wer an dem Schiff verdient. Dass der ehemalige Betreiberverein schon länger ein Interesse daran hatte, den Stahlkoloss zu Geld zu machen, beweisen seine Bemühungen, den Schrottpreis des Schiffes bereits 2004 am Markt zu erfragen.

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