Umstellung auf Hybridantrieb geplant

<strong>Als Erste mit Hybridantrieb ausgerüstet</strong>: Die Doppelendfähre 'Prinsesse Benedikte' der Vogelfluglinie <fotos>hfoe</fotos>
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Als Erste mit Hybridantrieb ausgerüstet: Die Doppelendfähre "Prinsesse Benedikte" der Vogelfluglinie hfoe

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23. Januar 2013, 09:50 Uhr

Rostock | Am 14. Mai kann die Reederei Scandlines auf der so genannten Vogelfluglinie zwischen Rödby und Puttgarden symbolisch goldene Hochzeit feiern. An jenem Tag vor 50 Jahren wurden die Fehmarnsund-Brücke und die Fährverbindung über den Fehmarnbelt eingeweiht. Mit 18 Doppelfahrten bildeten schon im Eröffnungsjahr die Fährschiffe "Deutschland", "Theodor Heuss" und "Kong Frederik IX" eine schwimmende Brücke. Heute schippern vier moderne Doppelendfähren halbstündlich über den Fehmarnbelt, ergänzt durch eine Fähre für Gefahrgut.

Das Jubiläumsjahr steht ganz im Zeichen höherer Effizienz des Fährbetriebs. 2013/2014 will Scandlines alle Vogelflieger auf Hybridantrieb umstellen. Als erstes Schiff wird die "Prinsesse Bendikte" derzeit ausgerüstet und soll im März/April damit den Testbetrieb aufnehmen. Dabei wird nicht benötigte Motorleistung in Strom umgewandelt und in Akkus gespeichert.

Experten rechnen damit, dass etwa 15 bis 20 Prozent Treibstoff eingespart und zugleich die Schadstoffemissionen um 20 Prozent gesenkt werden können. Um die ab 2015 geltenden Schwefelgrenzwerte von nur noch 0,1 Prozent im Ostseeverkehr einzuhalten, werden zudem Scrubber (Abgaswäscher) in die Schornsteine eingebaut.

Im November des vergangenen Jahres wurden in der Orskov-Werft in Frede-rikshavn innerhalb eines geplanten Werftaufenthaltes vorbereitende Maßnahmen für die Hybridtechnik auf der "Prinsesse Benedikte" durchgeführt. Im Maschinenraum ist inzwischen bereits das Steuerelement installiert . Im Frühjahr sollen dann innerhalb von ein bis zwei Tagen in Rødby die neuen Batterien eingebaut werden.

"Prinsesse Benedikte" wird die erste Ostseefähre mit Hybridantrieb, das erste "grüne Schiff" der Reederei Scandlines sein. "Wir testen einen Batteriebetrieb auf der Fähre, der per Knopfdruck zugeschaltet werden kann", erklärt Reedereichef Søren Poulsgaard Jensen. Die Batterie kann überschüssige Energie der Hauptmaschine speichern. Wird der Dieselgenerator abgeschaltet, fährt die Fähre dann leise und nahezu ohne Emissionen mit Akku. Die Installation der Scrubber soll voraussichtlich im Oktober zuerst auf der "Schleswig-Holstein" erfolgen. Sie werden im Schornstein installiert und waschen den Schwefel heraus, indem das Abgas durch Sprühnebel nach außen geleitet wird.

Etwa 24 Millionen Euro kostet Scandlines insgesamt die Umrüstung ihrer Vogelflieger-Flotte. Darüber hinaus wird das Projekt einer emissionsfreien Fähre auf Wasserstoffbasis verfolgt. Diese Investition würde sich allerdings nur amortisieren, wenn der Fehmarnbelt-Tunnel erst 2030 in Betrieb gehen würde oder gar nicht mehr gebaut wird. Gegenwärtig gehen die dänischen Planer trotz Verspätung noch von einem Fertigstellungstermin um 2021 aus.

Auch die "Verkehrsmaschine" zwischen Rostock und Gedser sollte in diesem Jahr eigentlich mit zwei neuen modernen Fähren längst auf vollen Touren laufen. Der Auftrag für die Neubauten der P+S-Werften wurde allerdings wegen schwerwiegender technischer Probleme storniert. Beide Schiffe entsprachen insbesondere in Bezug auf das Gewicht und die Stabilität nicht den vertraglichen Spezifikationen, hätten umfangreiche Umbaumaßnahmen erfordert. Die Auslieferung der beiden 2010 georderten Fähren war ursprünglich für das Frühjahr 2012 geplant.

Neue Anleger sollen betrieben werden

Die Neubaupläne aber wurden nicht aufgegeben. Bis Ende Februar dürfte das Konzept für die Ausschreibung stehen, im Sommer dann der Auftrag an eine Werft mit Fährschiffbau-Erfahrung vergeben werden. Bis Sommer 2015 sollen die neuen Schiffe - möglicherweise wie die Vogelflieger als Doppelendfähren konzipiert - einsatzklar sein. Derzeit wird noch an der detaillierten Spezifikation und dem Schiffsdesign gearbeitet. Geprüft wird auch der alternative Antrieb mit Flüssiggas.

Der neue Fähranleger in Rostock und das neue Fährbecken in Gedser sollen bis dahin nicht verwaist bleiben. Die gegenwärtig noch eingesetzten alten IC-Fähren "Kronprins Frederik" und "Prins Joachim" werden noch einmal verjüngt - mit Investitionen pro Schiff für eine Million Euro. Auf dem Programm stehen Wartungsarbeiten, die Bemalung des Unterwasserschiffs, Stahlreparaturen in den Trimmtanks sowie Reparaturen an Ruder und Schiffsschraube.

Auch an den Anlegern in Rostock und Gedser laufen Bemühungen, um das Anlegen der Scandlines-Fähren zu ermöglichen. Gegenwärtig erfolgt dafür die Abstimmung der technischen Details zwischen der Reederei und dem Rostocker Hafen. Für die Saison wird, wie bereits im vergangenen Jahr mit der "Mercandia VIII", auch wieder der Einsatz eines dritten Schiffes erwogen. 2012 konnten so trotz alter Technik 5,1 Prozent mehr Pkw zwischen Rostock und Gedser befördert werden.

Der Service wird auf der gesamten Scandlines-Flotte weiter verbessert, wie Michael Dietz, Marketingchef bei Scandlines Deutschland, verdeutlicht. Scandlines führt 2013 ein neues Marketing- und Cateringkonzept auf allen Linien ein.

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