Umkämpfter Kampfsport

Sylvia Bretschneider (SPD). Foto: Archiv
Sylvia Bretschneider (SPD). Foto: Archiv

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22. Juni 2012, 09:58 Uhr

Neubrandenburg/Schwerin | Als "unanständig" und "intrigant" haben Vertreter der CDU Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) bezeichnet. Zwei längst vergangene Kampfsportnächte in Neubrandenburg wirken bis zur letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause nach. Es geht um einen Zeitvertreib mit dem Namen Mixed Martial Arts (MMA), zu deutsch gemischte Kampfkünste. "Bei diesem in Europa noch jungen Sport werden… das Treten, Schlagen, Clinchen, Werfen und der Bodenkampf in einem Vollkontaktsport mit möglichst wenig Beschränkungen durch Regeln vereint", heißt es im Internet.

Sylvia Bretschneider stuft "MMA als kommerzielle Kampfveran staltungen, die extremste Gewalt verherrlichen" ein und als "Betätigungsfeld, das Rechtsextremisten für sich entdeckt haben". Ein Indiz dafür sieht sie im ersten Wettkampf 2011 in Neubrandenburg. Auf den Werbeplakaten waren unter anderem zwei Kämpfer mit rechtsextremistischen Tätowierungen zu sehen. Sylvia Bretschneider, engagiert im Bündnis "Neubrandenburg bleibt bunt" und Urheberin der Initiative "MV braucht Vielfalt", schlug unter Sponsoren der Alarm. "Mit dem Ergebnis, dass in diesem Jahr deutlich weniger dabei waren." Dass es im Februar 2012 überhaupt eine Neuauflage der "Fightnight" gab, "wieder in der stadteigenen Stadthalle und mit Kartenverkauf im städtischen Ticketservice, das hat mich schon sehr geärgert", sagt sie.

Als Abgeordnete im Kreistag Mecklenburgische Seenplatte brachte Sylvia Bretschneider - "In Absprache mit dem Neubrandenburger CDU-Oberbürgermeister", wie sie betont - einen Antrag auf den Weg, um die Austragung von MMA zu erschweren. Liegenschaften des Kreises würden dafür künftig nicht mehr zur Verfügung stehen - so beschloss der Kreistag Anfang Juni. "Ohne die Stimmen der CDU", wie Sylvia Bretschneider bedauert. Dabei habe die Landtagsfraktion der CDU unterstützt von der SPD im Herbst 2009 einen Antrag ins Landesparlament gebracht: Der Innenminister möge prüfen, wie MMA leichter zu unterbinden seien. Das Verfahren läuft noch, wie Bretschneider von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) erfahren hat.

Erbost über die abtrünnige Kreis-CDU suchte sie mögliche Verbindungen zur Fightnight. Auf der Internetplattform Facebook fand sie heraus: Der Neubrandenburger CDU-Vorsitzende Frank Benischke - als Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft auch für die Vermietung der Stadthalle zuständig - zählt den Initiator der Fightnight zu seinen Freunden. Bretschneider versandte Mails an Leute, "die das wissen sollten".

Hinterhältiges Denunzieren sei das, urteilt die CDU. Die Junge Union in Neubrandenburg fordert den Rücktritt einer Landtagspräsidentin, die "Instrumente politischer Verfolgung" anwendet. Marc Reinhardt, Landtagsabgeordneter und CDU-Kreisvorsitzender an der Seenplatte, bewertet die Mail als "ungehörig" und hofft, dass "Frau Bretschneider das Gespräch mit dem Betroffenen sucht und sich gegebenenfalls entschuldigt". Das Abstimmungsverhalten der CDU-Kreistagsfraktion kann er nachvollziehen, umso mehr, da ihm der Verbotsantrag seiner Partei von 2009 gar nicht mehr in Erinnerung ist. "Es handelt sich doch nicht um eine verbotene Sportart, soll doch jeder entscheiden, wie er dazu steht", argumentiert er. Und: "Wenn wir jede Sportart unterbinden, die von Rechtsextremisten ausgeübt wird, machen wir am Ende keinen Sport mehr."

Sylvia Bretschneider gibt sich damit nicht zufrieden. "Ich lasse mich nicht davon abbringen: Wir wollen diese Veranstaltungen nicht in Neubrandenburg und nicht im Kreis." An Entschuldigung denkt sie nicht: "Die Information war für jeden öffentlich. Warum hätte sie nicht weitergeben sollen?"

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