Orkan Xaver : Umgeknickte Bäume - abgedeckte Dächer

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Sturm „Xaver“ hat sich mit Orkanstärke und Eisglätte in MV ausgetobt. Bei Unfällen wurden bislang sechs Menschen verletzt. Bäume stürzten auf Straßen, Dächer wurden abgedeckt. An den Küsten wird nach dem Niedrigwasser eine leichte Sturmflut erwartet.

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05. Dezember 2013, 20:28 Uhr

Das Sturmtief „Xaver“ hat in Mecklenburg-Vorpommern einen langen Atem bewiesen und für teils erhebliche Schäden gesorgt. Seit Donnerstagabend wurden bei Unfällen sechs Verletzte gezählt, weil der Sturm die Fahrzeuge gegen Straßenbäume gedrückt oder Bäume entwurzelt hatte, die auf fahrende Autos fielen. Ein Bus stürzte südlich von Goldberg (Kreis Ludwigslust-Parchim) eine Böschung hinab. Es wurde niemand verletzt.

Bei einem Unfall mit einem Rettungswagen auf der Bundesstraße 198 nahe Plau am See kam eine 82-jährige Patientin ums Leben, zwei weitere Insassen wurden schwer verletzt. Noch ist unklar, ob der Unfall auf das Konto von „Xaver“ geht. Inwieweit die Witterungsbedingungen eine Rolle spielten, werde von einem Verkehrsermittler und Gutachtern untersucht, hieß es. Zur Ermittlung der Unfallursache soll auch die sogenannte Black Box im Rettungswagen ausgelesen und ausgewertet werden.

Das Sturmtief wütete seit Donnerstagnachmittag mit Orkanstärke, Schnee und Graupelschauern über dem Nordosten: Die Spitzengeschwindigkeiten wurden in der Nacht auf der Insel Hiddensee mit 167 Kilometer pro Stunde gemessen. In Heiligendamm registrierte der Wetterdienst Meteomedia Windgeschwindigkeiten von 141 Kilometer pro Stunde. Landesweit wurden allein an Straßen Hunderte Bäume entwurzelt oder umgeknickt. Im Stadtforst von Greifswald hat vermutlich eine Windhose massenhaft Bäume umgestürzt.

Feuerwehren und Technisches Hilfswerk rückten landesweit zu mehreren Hundert Einsätzen aus. Den größten bislang bekannten Schaden meldete mit mehr als 200 000 Euro bislang Stralsund: Dort riss der Sturm bei einem Discounter das Blechdach ab. Die Platten flogen von einer Fläche von rund 260 Quadratmetern vom Dach und fielen auf mindestens acht Autos auf einem Parkplatz. Im Marmorsaal des Hallenschwimmbades „Neptun“ in Rostock stürzte eine Deckenplatte zu Boden. „Wir sind glücklicherweise mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Schäden in der Landeshauptstadt halten sich in Grenzen“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke).

Vereinzelt kam es zu Stromausfällen. Nach Angaben des für Westmecklenburg zuständigen Versorgers Wemag konnten zeitweise bis zu 10 000 Haushalte über die Region verteilt nicht mit Strom versorgt werden. Bislang gibt es noch keinen Anlass für Entwarnung: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes hat sich das Sturmtief mit Zentrum über der Ostsee kaum verlagert. An der Küste sowie in Verbindung mit Schauern sind auch noch orkanartige Böen zwischen 100 und 110 Stundenkilometer zu erwarten. Für weite Teile des Landes gelten noch bis 18.00 Uhr Unwetterwarnungen. Zusätzlich können Schneeschauer zu Behinderungen führen. Die Scandlines-Fähren auf der Linie Rostock-Gedser sollten bis zum Abend im Hafen bleiben. Auch nach Hiddensee war die Fährverbindung nach wie vor unterbrochen.

Nach extremen Niedrigwasserständen in der Nacht zu Freitag wird „Xaver“ der Ostseeküste eine leichte bis mittlere Sturmflut bescheren. Die Pegel stiegen am Nachmittag langsam wieder an. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie gab eine Sturmflutwarnung heraus. Danach werden für die Nacht von Freitag zu Samstag im gesamten Küstenbereich Wasserstände von 1,00 bis 1,25 Meter über dem mittleren Wasserstand erwartet. Die Deiche und Küstenschutzanlagen seien für diese häufiger auftretenden Hochwasser ausgelegt. Mit Schäden sei nicht zu rechnen. Nass werden könne es auf Parkplätzen in Wassernähe.

In das öffentliche Leben zog am Freitag nur ganz langsam wieder Normalität ein: Der Weihnachtsmarkt in Rostock blieb geschlossen. In Rostock wurde ein Stück der Stadtautobahn wegen der Gefahr von umstürzenden Bäumen gesperrt. Auch die Schulen und Universitäten blieben zu. Weihnachtsmärkte wie in Schwerin und Greifswald öffneten hingegen am Freitag wieder. Auch der Bahnverkehr hatte sich nach mehreren Streckensperrungen und Zugausfällen wieder weitgehend normalisiert. Verspätungen habe es noch beim Ersatzbusverkehr zwischen Rostock und Schwerin gegeben, sagte ein Bahnsprecher am Freitag.

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