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21. November 2017 | 09:21 Uhr

Üppiges Grün macht Dschungel-Illusion perfekt

vom

svz.de von
erstellt am 10.Aug.2012 | 09:10 Uhr

Gartenstadt | Was von außen noch ganz klar nach Baustelle aussieht, ist von innen schon ein richtiger Dschungel. Reinhard Wyduwa und sein Kollege Ralf Dietrich machen aus dem Darwineum ein grünes Paradies. Noch bis Ende August pflanzen die beiden Männer im Akkord exotische Gewächse in das neue Affenhaus ein, während an anderen Ecken des Hauses gesägt, gebohrt und gehämmert wird. "Es ist jetzt schon beeindruckend", sagt Anne Schreiber, Inspektorin vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV (LALLF). Sie begutachtet gemeinsam mit ihrem Kollegen Karl-Heinz Kuhnke die Gewächse, die später im Darwineum ihre volle Größe entfalten sollen. Als Entomologe kennt er jedes Insekt und weiß, welche Gefahren von ihnen ausgehen.

Über den Köpfen der Besucher werden üppige chinesische Fingerpalmen und Kaffeepflanzen mit ihren knorrigen Gehölzen wachsen. Sie sollen auch die Heizungs- und Lüftungsrohre verdecken. Diese eher robusten Pflanzen bilden den Hintergrund für die Dschungel-Landschaft. Hierbei komme es allein darauf an, dass es möglichst üppig und dicht wirkt, sagt der Chef-Pflanzer Reinhard Wyduwa. Dabei weiß er ganz genau, wo eine kleine Lichtung atmosphärisch gut wirkt, und setzt bewusst Akzente. Im Besucherbereich geht es nicht um eine grüne Fülle, sondern um einzelne Hingucker. Große, bunte Blüten sollen hier erstrahlen. Und auch Feigen, Jadewein, Bananen, Ananas und Mangos werden inmitten des Darwineums in ein paar Jahren wachsen. Bis diese eher empfindlichen Gewächse allerdings gepflanzt werden können, vergehen noch ein paar Wochen. "Momentan wird hier noch gearbeitet. Der Baustaub könnte die Pflanzen schädigen", sagt Wyduwa. Etwa 4000 Pflanzen werden am Ende das Darwineum bevölkern und zu einer richtigen Oase machen. Allein der Wert der Pflanzen wird auf 100 000 Euro geschätzt.

Künstliches Biotop als kleine Intensivstation

Ganz bewusst hat sich Kristin Jacobi, Landschaftsarchitektin im Rostocker Zoo, für noch kleine Pflanzen entschieden. Sie können sich nicht nur besser in ihrer neuen Umgebung akklimatisieren, sondern müssen auch nicht so bald beschnitten werden. Zudem sind noch junge, kleinere Pflanzen günstiger. "Wir gehen sehr bewusst mit den Steuergeldern um", sagt Jacobi. Die Pflege des üppigen Grüns wird in Zukunft viel Zeit in Anspruch nehmen. Dabei seien manche Pflanzen pflegeleichter als andere. "Alles, was die Pflanzen brauchen, müssen wir ihnen antragen - selbst Raupen und Schädlinge", sagt Wyduwa. Er empfinde solche künstlichen Biotope wie eine kleine Intensivstation für Pflanzen.

Auch in den Gehegen der Menschenaffen sollen einige Pflanzen wachsen und gedeihen. Doch ob das tatsächlich funktionieren wird, bezweifelt Jacobi noch ein wenig, denn erfahrungsgemäß nehmen Gorillas gern alles auseinander. "Darum wird hier kein tropischer Dschungel entstehen", so Jacobi. Stattdessen werden essbare Feigen und Ficusarten in die Erde gebracht. Ein Zoo-Kollege aus Frankfurt hat die Rostocker beraten, welche Pflanzen sich für die Gehege eignen. Jede Woche kommt nun eine neue Pflanzen-Ladung und mit ihnen die Kuhnke und Schreiber. Sie wollen verhindern, dass sich Schädlinge ausbreiten oder sogar neue Arten eingeschleppt werden - schließlich kommen ins Darwineum viele Pflanzen aus Asien und Afrika.

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