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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 08:29 Uhr

Übung: 30 Hooligans stürmen S-Bahnhof

vom

svz.de von
erstellt am 29.Jun.2011 | 06:52 Uhr

Hansaviertel | Mit schwarzen Tüchern im Gesicht stürmen 30 Hooligans vom Fußballclub Energie Cottbus aus der S-Bahn. Sie sind scheinbar angetrunken und gereizt, suchen Streit mit anderen Fahrgästen, grölen lauthals "Jetzt gehts los". Erste Nebelbomben, Bengalfeuer und Knaller fliegen auf den Bahnsteig Haltepunkt Parkstraße. Zum Glück ist die Polizei mit zwei Hundertschaften vor Ort. Sie können weitere Ausschreitungen verhindern und kesseln die tobende Meute ein. Randalierer nehmen sie sofort in Gewahrsam. Gestern war es nur eine Übung. Aber weil dieses Szenario bald Realität werden kann, hat die Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt zusammen mit der Landesbereitschaftspolizei Mecklenburg-Vorpommern bei normalem Fahrbetrieb den Ernstfall geprobt.

Im Juli beginnt die neue Saison für die 2. Bundesliga. "Wir haben in Rostock sieben brisante Spiele mit schwierigem Fanpotenzial", sagt Polizeihauptkommissarin Erika Krause-Schöne, Sprecherin der Bundespolizeiinspek tion Rostock. Um Eskalationen künftig zu vermeiden, haben die rund 200 Männer und Frauen der Polizei eine reale Situation nachgestellt. "Uns geht es darum, dabei die Einschränkungen für die ,normalen Reisenden möglichst gering zu halten", so Krause-Schöne. Außerdem wollen die Beamten durch die Übung herausfinden, an welchen Punkten es während des Einsatzes noch hapert. "Im Nachhinein werden alle Abläufe analysiert", ergänzt sie. Die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften und die Zusammenarbeit der einzelnen Beamten miteinander spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Jeder hatte bei der Übung seine Aufgabe. So auch die jungen Polizisten im Alter von 20 bis 30 Jahren. "Diejenigen, die von ihnen besonders gut schauspielern können, haben die Rolle der Cottbus-Fans übernommen", so Krause-Schöne. Die Übrigen hielten die tobende Menge in Schach. Damit die Hooligans nicht unkontrolliert auf dem Bahnsteig randalierten, haben die bewaffneten Beamten die ausschreitenden Fußballfans eingekesselt. Die haben in ihrem Eifer Rauchbomben unter die Überwachungskameras geworfen. "Das machen sie in der Realität ganz gezielt, damit wir die Bilder im Nachhinein nicht mehr auswerten können", so die Polizeisprecherin.

Ein unbeteiligter Bahnfahrer, der zwischen Übung und Realität nicht unterscheiden konnte, ließ sich von der Meute mitreißen und pöbelte die Beamten grundlos an, die gerade versuchten, die Hooligans zu bändigen. "Er bekommt von uns Post mit einer Strafanzeige wegen Beamtenbeleidigung", resümiert Krause-Schöne. Die Einsatzkräfte ließen sich von dem Zwischenfall nicht abhalten. Das Szenario lief weiter wie geplant. Nachdem die eingekesselten Randalierer den Bahnhof verlassen hatten, führte die Polizei sie auf einen Parkplatz der Universität Rostock. "Auffällige Personen werden sofort separiert und von der Gruppe optisch getrennt", sagt die Sprecherin. Eingekreist von Polizeifahrzeugen nahmen die Beamten nach und nach die Personalien der Störenfriede auf. Bis heute üben die Bundes- und Landespolizei erneut den Einsatz. Dann sind sie für die brisanten Fußballspiele bestens gewappnet.

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