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19. Oktober 2017 | 07:46 Uhr

Übersetzerin zwischen Mensch und Tier

vom

svz.de von
erstellt am 29.Dez.2012 | 04:03 Uhr

Reppelin | Daria ist schuld an der Berufswahl von Alessa Knoop-Lübke. Anscheinend ist die Schäferhund-Collie-Mischlingshündin aber mit ihrem Einfluss sehr zufrieden, denn sie genießt die Beziehung zu ihrem Frauchen, die schon für Außenstehende sehr innig wirkt. Genau darin liegt auch der Beruf von Knoop-Lübke - sie sorgt für ein besseres Verständnis zwischen Mensch und Tier, spielt quasi Übersetzerin und hilft, Missverständnisse zwischen Tier und Halter aus der Welt zu räumen. Dabei ist die 41-Jährige nicht auf Hunde beschränkt, auch Katzen-, Kaninchen- oder Hühnerhalter können sich bei ihr melden.

Dass manche das, was sie als Gabe betrachtet, belächeln mögen, ist der Reppelinerin bewusst. Doch die Erfolge geben ihr Recht, sagt sie. "Ich hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu Tieren, bin auf dem Land und mit vielen Tieren aufgewachsen", erinnert sich die Mutter eines 15-jährigen Sohnes. Irgendwann sei auffällig geworden, dass als Problemtiere verschrieene Vierbeiner bei ihr immer ganz anders reagierten als bei ihren Haltern. An eine Geschäftsidee dachte die gebürtige Schleswig-Holsteinerin da noch nicht, sondern studierte in Rostock Landeskultur und Umweltschutz, schloss als Diplom-Ingenieurin ab und machte ihren Master im Bereich Umwelt und Bildung. "Das analytische Vorgehen, das mir jetzt bei meiner Arbeit nutzt, habe ich im Ingenieurstudium gelernt", so Knoop-Lübke.

Auch Katzen gehören zu ihren Kunden

Denn nicht alles bei ihren Trainingseinheiten mit Haustier und Halter sei Intuition. "Es gibt immer eine Lösung - und die gilt es zu suchen, zu finden und zu beweisen", sagt sie. Bevor sich Knoop-Lübke selbstständig machte, half sie ehrenamtlich als Übersetzerin zwischen Mensch und Tier, ging zum Beispiel mit ihren Vierbeinern in den Kindergarten ihres Sohnes oder zeigte Schulkindern den richtigen Umgang mit Tieren. Als sie Daria bekam, klappte auch bei ihr die Verständigung mit dem Tier erst nicht. "Ich musste mich auf sie einlassen, ihre Sprache lernen, ihre Handlungen erkennen", so die Reppelinerin. Genau das sei es auch, woran es oft in der Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeinern kranke: "Es fehlt oft einfach nur am Perspektivwechsel", sagt sie. So komme es, dass Hunde bei der Begrüßung an ihrem Herrchen hochspringen, obwohl dieses das nicht will, dabei aber unbewusst falsche Signale aussendet. Ihre Trainingseinheiten seien gerade anfangs oft schwieriger für den Menschen, weil dieser lernen müsste, auf sein Verhalten zu achten und unbewusst eingeschlichene Handlungen, die sein Tier missverstehen könnte, zu verändern.

"Die meisten warten aber sehr lange, bis sie sich Hilfe holen. Da ist das Verhältnis oft schon sehr negativ", sagt Knoop-Lübke. Im Gegensatz zu beispielsweise Hundeschulen seien ihre Trainings individuell und gingen nicht darum, den Vierbeinern Grundkommandos oder Leinenführigkeit beizubringen. "Ich arbeite nicht vorrangig mit dem Tier, sondern befähige den Menschen", sagt sie.

Nach der gemeinsamen Arbeit sollen die Halter das allein umsetzen können, was sie gelernt haben. "Denn als Mensch kann ich jede Situation mit dem Tier so gestalten, wie ich sie haben möchte", bilanziert die Trainerin, die mittlerweile auch oft von Katzenbesitzern gebucht wird. Denn die landläufige Meinung über Katzen gelte für viele Halter als Argument, nicht konsequent sein zu müssen. Doch auch das Miteinander mit den Stubentigern kann verbessert werden - wenn man auf sie hört und ihre Signale beachtet.

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