Überfall beim Drogen-Deal

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30. Juli 2012, 08:03 Uhr

Rostock | Im Rostocker Landgericht ist gestern der Prozess gegen Enrico M. (32) eröffnet worden, einen Rostocker Lackierer, der mehr als zwei Jahre als vermisst galt. Dem Mann wird schwerer Raub vorgeworfen: Gemeinsam mit einem bereits verurteilten Komplizen soll er am frühen Morgen des 9. Juni 2009 in die Wohnung des damals 19-jährigen Pit D. im Kleinen Warnowdamm eingedrungen sein. "Wo hast Du Dein Geld", soll er gerufen haben. Schon an der geöffneten Tür habe Pit D. einen Faustschlag ins Gesicht bekommen. Während der Komplize anschließend dem Wohnungsinhaber eine Pistole an den Hinterkopf setzte, soll Enrico M. die Wohnung durchsucht haben. Mit 250 Euro und einem Handy seien sie verschwunden, heißt es in der Anklageschrift.

Enrico M. konnte durch eine Zielfahndung der Polizei gefasst werden. Er war gestern gesprächsbereit. Allerdings sieht er die Sache anders als die Staatsanwaltschaft: Er und sein Mittäter wollten vom Opfer lediglich Haschisch kaufen und hätten ihm an der Tür 20 Euro gegeben. Als Pit D. mit den Drogen an die Tür kam, habe es eine Rangelei gegeben, wobei sein Komplize und Pit D. über einen Wäscheständer stolperten und zu Boden gingen. Er selbst habe vom Wohnzimmertisch etwa 30 Euro, darunter seine 20 Euro für die Drogen, genommen. Pit D. sei nicht mit einer Pistole, die "nur eine Schreckschusswaffe war", bedroht worden. Die habe auf dem Tisch gelegen und er habe sie auch mit eingesteckt. Unsicher wurde Enrico M. erst, als er den Namen des Mittäters nennen sollte. "Ich weiß, wer es war, aber ich kann den Namen nicht nennen", erklärte er. "War es Jan B.", fragte der Vorsitzende Richter. "Der war es nicht", betonte Enrico M. mehrmals.

Allerdings wurde Jan B. (27) schon im März 2010 vom Landgericht dafür zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt und sitzt seitdem in Haft. Möglicherweise als Unschuldiger? Trotzdem wollte der Angeklagte den Namen seines Komplizen nicht nennen. "Ich muss um mein Leben fürchten, wenn ich den Namen nenne", sagte er. Auch der jetzige Gefängnisaufenthalt könne ihn vor Gewalt nicht schützen. Auch Rudi B., der große Bruder von Jan B., der sich wie rein zufällig unter den Zuschauern befand, behauptete später als Zeuge, dass sein Bruder Jan unschuldig sei. Seine Vermutung: Die Sache sei ein Racheakt von Russen.

Pit D. hatte im Prozess gegen die Brüder Thomas und Jan B. vor zwei Jahren ausgesagt, dass Jan B. und Enrico M. den Überfall auf ihn begangen hätten. Jan B. war ihm zu der Zeit bestens bekannt. Die 3. Große Kammer bewertete den damaligen Zeugen Pit D. als glaubwürdig, auch weil durch ihn Dinge zu Tage kamen, mit denen sich das Opfer selbst belastete. Das Urteil gegen die Brüder B. wurde derweil vom Bundesgerichtshof bestätigt. Der Prozess gegen Enrico M. wird heute forgesetzt.

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