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18. Dezember 2017 | 15:55 Uhr

Über Seefahrt in der Antike

vom

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erstellt am 28.Aug.2013 | 09:23 Uhr

Rostock | Was die Rhein-Metropole Mainz mit der Hansestadt Rostock gemein hat, ist die Kritik an der Bahn. Der Ostseehafen beklagt die verzögerte Fertigstellung der Bahnlinie für den Güterverkehr nach Berlin, die Probleme mit dem Stellwerk am Mainzer Bahnhof machten sogar bundesweit Schlagzeilen. Beide Städte verbindet aber auch die Schifffahrt. Die Rostocker Arosa-Flussschifffahrt-Reederei fährt auf einigen ihrer Rheintörns auch die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz an. Und in beiden Städten gibt es auch ein Schifffahrtsmuseum - in Mainz sogar in zentraler Lage gleich neben Kino und Bahnhof in der Mainzer Südstadt. Die seit 1994 laufenden Ausstellungen in einer historischen Lokomotiv-Reparaturwerkstatt in Mainz veranschaulichen die Seefahrt in der Antike und sind eine Außenstelle des Römisch-Germanischen Zentralmuseums.

Besucher können dort die Vielfalt antiker Wasserfahrzeuge kennenlernen. Mit den Mainzer Römerschiffen und ihren 1:1-Nachbauten präsentiert das Museum zudem ein Stück deutscher Geschichte. Zu den Exponaten zählen Überreste von fünf römischen Kriegsschiffen aus dem 4. Jahrhundert, Nachbauten in Originalgröße, das Fragment eines Lastkahnes, viele Schiffsreliefs und Steindenkmale, der Rammsporn eines Kriegsschiffs sowie Modelle und Schautafeln, die zusätzlich über den antiken Schiffbau generell, Bautechnik und römisches Flottenwesen in den germanischen Provinzen und im gesamten Imperium informieren. Einige der Vorlagen waren Anfang der 1980er-Jahre bei Bauarbeiten für einen Hotelneubau entdeckt und geborgen worden. Es handelte sich um zwei unterschiedliche Kriegsschifftypen der spätrömischen Rheinflotte sowie um weitere Schiffsarten. Die Wrackfunde wurden durch das Römisch-Germanische Zentralmuseum restauriert und konserviert. Neben den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung zum antiken Schiffbau gewährt das Museum auch einen unmittelbaren Einblick in die Tätigkeit von Restauratoren und Bootsbauern, denen bei der Arbeit zugeschaut werden kann.

Charakteristisch für die Mainzer Mannschaftsboote sind schlanke, flachbodige Rümpfe mit schräg ausfallenden Bordwänden, die in Serienbau hergestellt wurden, wie es in den Erklärungen heißt. Die Boote wurden mit Riemen angetrieben und mit zwei Seitenrudern am Heck gesteuert. Eine Treibbesegelung kam hinzu. Für eine Ruderbesatzung von 30 Mann war das Boot auf eine Gesamtlänge von 21,60 Metern ausgelegt. Zu sehen ist auch der Nachbau eines spätrömischen Einsatzfahrzeuges, das gedrungener ausgelegt war und wahrscheinlich als Patrouillenschiff zur Grenzüberwachung und zur Beförderung von Personal und Materialien diente. In einer verlandeten Uferzone des Rheins wurde in Mainz auch ein großflächig erhaltenes Wrack eines römischen Prahms entdeckt. Mit einer rekonstruierten Länge von 40 Metern und einer Frachtkapazität von bis zu 80 Tonnen diente er offenbar dem Transport von Schwerlasten zur Versorgung der Grenztruppen.

Nach dem Fall des obergermanischen-rätischen Limes als Grenzwall zu den Germanen erfüllten in der Spätantike Festungen entlang des Oberrheins die Sicherung der römischen Provinzen. Das Mainzer Museum erinnert an diese Zeit und veranschaulicht die Entwicklung des Bootsbaus.

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