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Hansa Rostock hat Schulden in Millionenhöhe : Trotz Benefizspiel Sanierungsfall

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Vom Beinahe-Ruin in den Fokus der Fußball-Weltöffentlichkeit - Das Benefizspiel am Wochenende bringt FC Hansa Rostock eine Million Euro ein und verschafft ihm so etwas Luft im Überlebenskampf. Doch Schulden bleiben.

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2013 | 10:08 Uhr

Rostock | Vom Beinahe-Ruin in den Fokus der Fußball-Weltöffentlichkeit - dass die Superstars des FC Bayern München am Sonntag überhaupt zum Benefizspiel auflaufen, verdankt der FC Hansa der Rostocker Bürgerschaft. Deren "Ja" zum Rettungspaket am 9. Mai vergangenen Jahres hatte der deutsche Rekordmeister zur zwingenden Bedingung für sein Gastspiel erklärt. Das Match bringt dem klammen Verein rund eine Million Euro ein und verschafft ihm so etwas Luft im Überlebenskampf.

Denn noch immer drücken Hansa mehrere Millionen Euro Schulden. Zum 30. Juni 2012 waren es 6,6 Millionen und damit 3,5 Millionen weniger als noch im Jahr zuvor. Doch weiter reduzieren konnte Hansa diese Bürde seitdem kaum. Vor allem, weil nach dem erneuten Abstieg in die 3. Liga höhere Einnahmen aus Fernsehgeldern ausblieben. Die Bürgerschaft forderte vom Verein aber im Gegenzug für die städtische Unterstützung ein Entschuldungskonzept. Mittlerweile hat Hansa den Rotstift angesetzt: Neun Mitarbeiter wurden entlassen, der Mannschaftsbus verkauft und die Ticketpreise angezogen. Außerdem werden der Reha-Bereich mit Sauna und Whirlpool geschlossen sowie der Spielerkader verkleinert. Insgesamt will der neue Vereinschef Michael Dahlmann so bis zu eine Million Euro pro Jahr einsparen. "Bus, Personalmaßnahmen, Komforteinsparungen - diesen Weg werden wir weitergehen", sagt er.

Bis Ende September will Dahlmann zudem die 1,3 Millionen Euro Steuerschulden beim Finanzamt Rostock und bei der Hansestadt begleichen. Sie waren der Anlass für das drohende Hansa-Aus. Insgesamt drückten den Verein nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs 4,5 Millionen Euro Steuerschulden. Die Nachzahlung resultierte aus Transfers und Provisionen für Spielervermittler, die die Rostocker zwischen 1999 und 2001 sowie 2008 zu Unrecht als sofort abziehbare Betriebsausgaben behandelt hatten. Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs traten schon im Januar 2012 die Gläubiger zusammen - neben der Hansestadt und dem Finanzamt auch Vertreter des Finanz- und Innenministeriums, der Deutschen Kreditbank und der Ostseesparkasse. Sie einigten sich letztlich auf einen Verzicht in Höhe von rund 37 Prozent ihrer Ansprüche. Die Stadt schoss darüber hinaus noch einmal 750 000 Euro zu und kaufte dem Club für 530 000 Euro das Erbbaurecht auf dem Sportgelände in der Maxim-Gorki-Straße ab. Dafür wiederum erhielt sie vom Land Zuschüsse für die Sanierung des Neptun-Schwimmbads, des Schulsportplatzes an der Hundertwasser-Gesamtschule sowie den Bau einer Sporthalle an der Petrischanze.

Langfristig gerettet ist Hansa aber trotz allem noch nicht. Deswegen suchte der Verein zunächst nach einem Investor, der sich für 8,5 Millionen Euro an der Stadiongesellschaft beteiligt. Das Thema ist derzeit aber vom Tisch - der Verein will vorerst versuchen, sich aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe zu sanieren.

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