Mecklenburg-Vorpommern : Trinkwasser-Streit: Backhaus kontra Grüne

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Das Trinkwasser in MV steht nach Angaben von Agrarminister Till Backhaus dem im Handel erhältlichen Mineralwasser nicht nach. Er wies Vorwürfe der Grünen zurück, das Land widme dem Gewässerschutz zu wenig Aufmerksamkeit.

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21. Juni 2012, 10:28 Uhr

Schwerin | Das Trinkwasser in Mecklenburg-Vorpommern steht nach Angaben von Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) dem im Handel erhältlichen Mineralwasser nicht nach. "In unserem Land ist Trinkwasser in höchster Qualität vorhanden", betonte Backhaus gestern in der Aktuellen Stunde des Landtags. Er wies Vorwürfe der Grünen zurück, das Land widme dem Gewässerschutz zu wenig Aufmerksamkeit und tue zu wenig, um den Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft weiter einzudämmen.

Die Grünen-Abgeordnete Ursula Karlowski indes, deren Fraktion das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hatte, schlug Alarm. Das Grundwasser, aus dem 85 Prozent des Trinkwassers gewonnen werde, sei viel zu hoch mit Nitrat belastet. An jeder fünften Messstelle sei 2008 der Grenzwert für Nitrat von 50 Milligramm pro Liter regelmäßig überschritten worden. Den Spitzenwert bildete die Messstelle Sommerstorf, wo 2008 bis zu 600 Milligramm Nitrat im Grundwasser gemessen wurden - eine zwölffache Überschreitung des Grenzwertes.

Nitrat reagiert nach ihren Worten im Körper zu Nitrit. Zu viel davon führe bei Säuglingen zu Atemnot und der lebensgefährlichen Blausucht.

Bei Erwachsenen wandeln sich Nitrite im Körper zu Nitrosaminen, die als krebserregend gelten.

Den Grünen zufolge besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Nitratbelastung und Landnutzung. So sei der Nitratgehalt in forstlich genutzten Gegenden gering, in intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen hoch.

Laut Karlowski werden zu viel Mineraldünger, Gülle, Klärschlamm und Gärreste verwendet. "Drainagen im Acker, konzentrierte Großbestände von Tieren und der Anbau von Energiemais führen zu enormen Nitratfreisetzungen. Dieser schlechte Umgang mit unseren Böden gibt dem Grundwasser den Rest", sagte sie.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Burkhard Lenz warf den Grünen vor, die Menschen im Land zu verunsichern. Die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser sei gesichert. Investitionen in die Trinkwasserversorgung seien seit 1990 mit über 100 Millionen Euro und in die Abwasserentsorgung mit über 900 Millionen gefördert worden.

Backhaus zufolge wurden damit 27 Wasserwerke neu gebaut, 51 Wasserwerke erweitert und 1270 Kilometer Leitungen neu verlegt. 573 öffentliche Kläranlagen würden betrieben. Bei rund 90 Prozent der Abwässer würden gezielt die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor verringert.

Einem Bericht der vor sechs Jahren gegründeten Arbeitsgruppe "Diffuse Nährstoffe" zufolge gehen die mineralischen Stickstoffgehalte im Boden stark zurück.

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