Trinkwasser erhitzt die Gemüter

<strong>Tägliche Routine:</strong> Wasserversorgungstechniker Marc Peters nimmt am Stichkanal zur Warnow eine Wasserprobe. <foto>Georg Scharnweber</foto>
Tägliche Routine: Wasserversorgungstechniker Marc Peters nimmt am Stichkanal zur Warnow eine Wasserprobe. Georg Scharnweber

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04. März 2013, 08:39 Uhr

Rostock | Die Trinkwasserversorgung in der Hansestadt sorgt für große Diskussionen zwischen dem Agenda-21-Rat und dem Warnow-Wasser- und Abwasserverband (WWAV). Arvid Schnauer, Sprecher des Agenda-21-Rates, bemängelt, dass das Rostocker Trinkwasser zu 100 Prozent aus dem Oberflächenwasser der Warnow gespeist wird. "Diese Art der Wasseraufbereitung ist mit einem hohen Gefährdungspotenzial verbunden", sagt er. Einen ausreichenden Schutz vor Umweltkatastrophen und gezielter Verunreinigung sieht Schnauer nicht gewährleistet. Darüber hinaus könne das Trinkwasser aus dem Fluss nicht die Vorgaben für Geschmack und Temperatur erfüllen. Und auch das Leitungsnetz entspreche nicht mehr den modernen Anforderungen, sagt er. In einer Diskussionsrunde zur nachhaltigen Wasserversorgung in Rostock forderten einige Mitglieder des Rates deshalb eine Einspeisung des Trinkwassers aus dem Grundwasser, weil dieses nicht so aufwändig gefiltert und chloriert werden müsse. Andere Mitglieder distanzierten sich von dieser Forderung.

Fehlende Konzepte, schlechte Trinkwasserqualität, marode Netze - der WWAV weist die Vorwürfe entschieden zurück. Eine Zustandsbewertung der vorhandenen wasserwirtschaftlichen Anlagen zeige, dass sich sowohl das Wasserwerk Rostock als auch das Trinkwassernetz auf dem aktuellen Stand der Technik befinden, teilt Verbandsvorsteherin Ines Gründel mit. Bis Ende 2012 habe Eurawasser als Betreiber der Anlagen 62 Millionen Euro investiert. Positive Effekte seien eine Erhöhung der Trinkwasserqualität, eine Verringerung der Rohrbruchquote und die Senkung der Wasserverluste. Der sehr gute Zustand des gesamten Netzes sei belegt.

"Selbstverständlich erfüllt das Trinkwasser alle gesetzlichen Anforderungen", so Gründel. "Die entsprechenden Qualitätsparameter werden ständig überprüft und eingehalten." Zur Forderung des Agenda-21-Rates, das Trinkwasser künftig aus dem Grundwasser einzuspeisen, sagt WWAV-Geschäftsführerin Katja Gödke: "Die Pläne für eine solche Umstellung liegen bei uns schon lange in der Schublade, doch auch das Oberflächenwasser erfüllt alle gebotenen Anforderungen." Schon 2003 sei ein Konzept erstellt worden, aus dem hervorging, dass das Vorhaben zwar technisch möglich, aber zu teuer sei.

Eurawasser-Ingenieur Ralf Troppens sagt: "Eine Umstellung wäre innerhalb von acht bis zehn Jahren möglich und würde 55 Millionen Euro kosten." Dass das Grundwasser generell besser sei als das Oberflächenwasser, bestätigte Troppens jedoch nicht. Einer Gefährdung durch Umweltkatastrophen will er mit einer Störreserve von 20 000 Kubikmetern Trinkwasser und mit Notbrunnen entgegenwirken.

Rostocks Trinkwasser: So wird es aufbereitet und kontrolliert

Die direkte Entnahme von Oberflächenwasser ist fast einzigartig in Deutschland. Üblicherweise wird Trinkwasser aus dem Grundwasser gewonnen. Die ordnungsgemäße Aufbereitung inklusive ständiger Kontrollen ist überlebenswichtig. Das Wasserwerk Rostock fördert täglich rund 32 000 Kubikmeter Trinkwasser. Der Qualitätsbeweis: Geruch und Geschmack sind neutral, und das Trinkwasser kann jederzeit unbedenklich direkt aus der Leitung entnommen und getrunken werden. Nicht ohne Grund, denn in der komplexen Anlage durchläuft das Wasser sieben Stationen. Zudem sichern biologische, chemische und physikalische Untersuchungen von Wasserproben die beständig hohe Trinkwasserqualität.

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