Fotoshooting : Traumrolle mit 87 Jahren

Mindestens ebenso scharfsinnig wie Miss Marple sind Erika Flackmann (93, r.) und Emmy Schmalenberg (88).
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Mindestens ebenso scharfsinnig wie Miss Marple sind Erika Flackmann (93, r.) und Emmy Schmalenberg (88).

Pflegeheim-Senioren posieren als Stars für Kalender

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18. November 2017, 16:00 Uhr

Fotoshooting im Pflegeheim Südhus in Toitenwinkel: Die 87-jährige Ursula Kunkel zieht genüsslich an der Zigarettenspitze. Ihr gepflegtes, etwas schrilles Äußeres mit hochgesteckten Haaren, langen schwarzen Handschuhen und Perlenketten weckt Erinnerungen an Audrey Hepburn und den legendären Spielfilm „Frühstück bei Tiffany“ aus dem Jahr 1961. „Oh ja, Schauspielerin wäre ich gern geworden“, sagt Kunkel und lächelt in die Kamera. In ihrer Jugendzeit habe sie oft kleinere Rollen auf der Bühne gespielt. Gearbeitet habe sie viele Jahrzehnte als Arztsekretärin in Neubrandenburg. Jetzt posiert die Bewohnerin des Pflegeheimes für einen exklusiven Fotokalender 2018. Die Rostocker Fotografin Angelika Heim zupft schnell noch die Haarkrone ihres Models zurecht. Blitzlichtgewitter. Perfekt.

Zwölf Filmszenen für zwölf Kalenderblätter. Die Protagonisten sind um die 80 und 90 Jahre alt, aus den Rostocker Pflegeheimen Südhus und Südhus Nord, viele im Rollstuhl und mit Rollator unterwegs. „Das Projekt mag manchen verrückt erscheinen. Aber das Verkleiden und Fotografieren hat allen unglaublich viel Spaß bereitet“, sagt Iris Tschischke, geschäftsführende Inhaberin der Einrichtungen. Sowohl den älteren Damen und Herren als auch den Pflegekräften wird das Foto-Film-Erlebnis unvergessen bleiben. Es sei ein Kalender entstanden, der Betrachter berührt. Nicht nur Heimbewohner und Angehörige.

Die 94-jährige Herta Engelhardt schaut auf ihr Foto, das sie als Miss Sophie in dem berühmten Klassiker „Dinner for One“ zeigt. „Ich habe einen schiefen Mund, aber ich sollte so erschrocken gucken“, sagt sie fast entschuldigend und lobt ihren „Filmpartner“. Butler James alias Holger Müller (65) habe seine Rolle perfekt gespielt. Auch ohne echten Wein, der in der Kurzkomödie reichlich ausgeschenkt wird, habe es viel zum Lachen gegeben. Mit dem Kalender werde sie zu Weihnachten ihre Töchter erfreuen.

Zur liebenswert-schrulligen Miss Marple, die mit feinem Verstand schwierige Kriminalfälle löst, hatte sich Erika Flackmann verwandeln lassen. „Ich bin kaum wiederzuerkennen“, meint die 93-Jährige. Das Schminken und Zurechtmachen durch die Pflegerinnen haben ihr gut gefallen. Im Alter fehle das Geschick vor dem Spiegel, das äußere Erscheinungsbild sei ihr aber noch immer wichtig. „Ein abwechslungsreicher Alltag für die Heimbewohner und moderne Pflegekonzepte sind mir wichtig“, unterstreicht Chefin Tschischke. Die Südhus-Pflegeheime legen Wert auf das Hausgemeinschaftsprinzip, das die Bewohner bei den häuslichen Tätigkeiten mit einbezieht und ihnen bei Interesse sportliche und kulturelle Beschäftigungen anbietet. Von der wöchentlichen Hand- und Fußgymnastik, über das gemeinsame Singen bis hin zu Theaterbesuchen.

Anfang Dezember wird der Filmkalender vorliegen und kann von den Heimbewohnern, Angehörigen und Interessenten in den Einrichtungen oder über die Südhus-Homepage erworben werden. Der Erlös geht an den Freundeskreis Südhus, der Veranstaltungen für die rund 100 Heimbewohner organisiert.

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