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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. August 2017 | 20:37 Uhr

Schifffahrt : Training für alternative Antriebe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Das ISV Warnemünde widmet sich verstärkt dem Thema Gas als Kraftstoff

Umweltfreundliche Treibstoffe sind gefragt. Und auch in der Schifffahrt nach entsprechenden internationalen Regularien – insbesondere in sensiblen Seegebieten wie der Ostsee – inzwischen ein Erfordernis. Der Ausstoß von Stickoxiden und Schwefeldioxid darf vorgegebene Grenzwerte nicht überschreiten. Deshalb wird für Schweröl nun schwefelarmer Marinediesel eingesetzt, rüsten sich Schiffe mit Abgaswäschern (Scrubbern) oder alternativen Kraftstoffen wie Methanol und verflüssigtem Erdgas (LNG) aus.

Beim Nautischen Verein verdeutlichten vorige Woche Dirk Sedlacek und Konrad Robé vom Warnemünder Institut für Sicherheitstechnik/ Schiffssicherheit (ISV) den Stand der Entwicklungen und Anforderungen der dafür nötigen Weiterbildung nach den internationalen Übereinkommen (STCW) hinsichtlich des Umganges mit modernen Kraftstoffen wie LNG und Methanol in der Schifffahrt. Für deren Verwendung und Lagerung fehlen bisher noch allgemein verbindliche nationale Vorschriften und Zulassungen.

Robé skizzierte zunächst die internationale Entwicklung, bei der Norwegen eine Pionierrolle einnimmt. Hier steht LNG seit mindestens zwei Jahrzehnten auf der Agenda. So ging anno 2000 mit der „Glutra“ die erste LNG-getriebene Fähre in See. Seitdem hat Norwegen die spezielle Infrastruktur weiter ausgebaut und aus Holland werden gute Erfahrungen aus der Binnenschifffahrt bekannt. Seit vorigem Jahr erfolgt die Nutzung von LNG als Schiffsantrieb auch in Deutschland.

Es begann mit dem Umbau der Borkum-Fähre „Ostfriesland“, der Einrichtung der LNG-Hybrid-Barge „Hummel“ im Hamburger Hafen und dem neuen Bäderschiff „Helgoland“, das seit Dezember 2015 zwischen Cuxhaven und Helgoland verkehrt.

Im Rostocker Hafen machte erst jüngst der Zement-Carrier „Greenland“ Furore, wo erstmals die Bunkerung mit LNG erfolgreich getestet wurde. Im Hafen Hamburg wurde jüngst die „Aidaprima“ als erstes Kreuzfahrtschiff mit Erdgas bedient.

Von so genannten Dual-Fuel-Dieselmotoren ist die Rede, die sich wahlweise mit Gas oder mit Diesel betreiben lassen, von Problemen wie der Notwendigkeit, dass das verflüssigte Erdgas für den Transport auf minus 162 Grad herunter zu kühlen ist, und schließlich von Trainingskursen für die Aus- und Weiterbildung beim Handling der neuen Technologie. Einer dieser Kurse wurde gerade im Warnemünder Institut erfolgreich abgeschlossen, berichtet Robé. Erfahrungen aus der Praxis fließen hier weitgehend ein. So sind auch Exkursionen zur mit LNG betriebenen „Helgoland“ und zur „Stena Germanica“ vorgesehen, wo inzwischen zwei Motoren mit Methanol angetrieben werden.

Das ISV wurde 1991 in Warnemünde von Prof. Joachim Hahne und einigen Mitstreitern als gemeinnütziger außeruniversitärer Verein zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, Aus- und Fortbildung auf den Gebieten Sicherheitstechnik und Schiffssicherheit gegründet. Das 25-jährige Jubiläum steht also im Sommer bevor, wie ISV-Geschäftsführer Dirk Sedlacek anmerkt. Das Leistungsspektrum des ISV reicht von der Aus- und Fortbildung von Schiffsoffizieren in international anerkannten Lehrgängen über Dienstleistungen in Form von Brandtests, Beratungen sowie Gefährdungsanalysen auf dem Gebiet der Schiffssicherheit bis hin zu Forschung und Entwicklung auf den Gebieten Brandschutz und Überleben auf See. Im Mai 2003 wurde die Gesellschaft für Sicherheitstechnik/Schiffssicherheit als damaliges Tochterunternehmen gegründet, um im gemeinsam mit dem Land MV und der Hansestadt Rostock in Marienehe vis-à-vis vom AFZ errichteten „Maritimen Brand- und Sicherheitszentrum Ostsee“ ein erweitertes Spektrum an Leistungen anzubieten. Für spezielle Forschungsprojekte hatte sich 1999 das Ingenieurbüro Hahne ausgegründet, daraus entwickelte sich dann auch die Ingenieurgesellschaft für Maritime Sicherheitstechnik und Management mbH MARSIG.

In dem im Technologiezentrum Warnemünde etablierten und seit 1997 zertifizierten ISV sind zehn Mitarbeiter beschäftigt, die sich entsprechend der Aufgabenfülle durch bis zu 40 Honorarkräfte verstärken. Etwa 50 Lehrgänge mit etwa 800 Teilnehmern werden jährlich durchgeführt. In Kooperation mit der Hochschule Wismar wird beispielsweise für Forschungen und Weiterbildung im Risiko- und Notfallmanagement auch das Maritime Simulationszentrum genutzt. Die Spannweite der angebotenen Kurse reicht von der medizinischen Fortbildung der Schiffsoffiziere bis hin zu Fortbildungen für den Dienst auf Tank- oder Fahrgastschiffen und aktuell auch zur maritimen Arbeitssicherheit. Das Thema Gas spielt dabei eine wachsende Rolle, wie beim Nautischen Verein deutlich gemacht wurde.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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