Rostock : Tränen-Geständnis im Kinderschänder-Prozess

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Foto: Stefan Tretropp

52-Jähriger hat vier Kinder und Stieftochter missbraucht. Vorfall in Lütten Klein sorgte bundesweit für Schlagzeilen und Entsetzen. Betroffene immer noch im Aufarbeitungsprozess.

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16. November 2017, 17:51 Uhr

Zusammengekauert, in sich gekehrt sitzt Dirk R. im Gerichtssaal auf der Anklagebank. Sein Blick geht ins Leere, so, als ob er träumen würde. In den Augen des 52-Jährigen sind Tränen, als sein Anwalt ein von ihm verfasstes Geständnis vorliest. Dirk R. hat zugegeben, am Pfingstwochenende vier Kinder in seine Plattenbauwohnung in Lütten Klein gelockt und sie dort sexuell missbraucht zu haben. Der Vorfall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und für Schlagzeilen gesorgt.

Rückblick: An jenem Abend im Juni spricht der 52-Jährige mehrere Kinder an und lockt sie unter einem Vorwand in seine Wohnung in der St.-Petersburger-Straße. Wenig später befinden sich vier Minderjährige, zwei Mädchen und zwei Jungen, in der Wohnung des 52-Jährigen. Dirk R. zieht sich aus, spielt einen Pornofilm ab. Er zwingt die Kinder, sich diesen anzuschauen. Währenddessen befriedigt sich der Mann selbst – vor den Augen der elf- bis 14-Jährigen. Außerdem hat der alkoholkranke Mann Frauenunterwäsche in seinem Zimmer gehortet, die die beiden Mädchen bei einer „Tanga-Modenschau“ anziehen und präsentieren müssen.

Zudem, so räumt Dirk R. ein, berührt er mindestens eines der Mädchen unsittlich am Körper. Auf den Schoß des zweiten Mädchens setzt er sich und ejakuliert. Auch einen Vibrator hat er einem der betroffenen Kinder „zugesteckt“. Nur, weil sich ein 11-jähriges Mädchen aus der Wohnung schleichen und sich einem Betreuer der nahen Wohngruppe anvertrauen kann, kommt der Fall ins Rollen. Dieser wendet sich umgehend an die Polizei. „Das Mädchen sagte zu mir: ‚Die anderen werden gleich vergewaltigt‘“, sagt der Betreuer aus.

Polizisten nehmen wenig später den 52-Jährigen widerstandslos fest, der zur Tatzeit stark alkoholisiert war (3 Promille). Es sind unerträgliche Details, die zu Prozessbeginn vor dem Landgericht ans Tageslicht kommen: Ein Kriminalbeamter erinnert sich, dass er bei der Wohnungsdurchsuchung später unter anderem Handschellen und ein mit einem Kondom überstreiften angeschalteten Vibrator vorfand. Der Polizeieinsatzleiter sprach davon, dass die Kinder in einer Vernehmung Nervenzusammenbrüche erlitten.

Die psychologische Aufarbeitung der Opfer hält bis heute an. „Die Kinder schlafen noch immer schlecht, der Schock sitzt tief“, sagt der Betreuer.

Im Rahmen der Vernehmung der Stieftochter (28), die während des Vorfalls nicht zu Hause war, kommt heraus: Auch sie wurde bereits mehrfach von ihrem eigenen Vater missbraucht. Mit elf Jahren er sie zum Geschlechtsverkehr, entjungfert sie. Übergriffe dieser Art, so schildert die 28-Jährige, fanden „alle zwei bis drei Wochen“ statt. Aus Scham verheimlicht sie das, erst im Gericht – nach über 17 Jahren, kommt alles aus ihr heraus.

„Dem Angeklagten wird sexueller Missbrauch und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern zur Last gelegt. Er soll sieben Taten im Zeitraum von 2000 bis 2003 sowie am 03. Juni begangen haben“, teilte Hansje Eidam, Pressesprecherin des Landgerichts, mit. Im Schlussantrag wertet die Staatsanwaltschaft das reuige Verhalten und das Geständnis des 52-Jährigen sowie die Bereitschaft eine Therapie zu beginnen zu seinen Gunsten. Schwerwiegender wirken jedoch die psychologischen Folgen für die Kinder und das Ausnutzen der Schutzbedürftigkeit. Die Forderung: Drei Jahre und neun Monate Haft für Dirk R.. Das Plädoyer der Nebenklage und Verteidigung sowie das Urteil werden am 27. November erwartet.

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