Lebensnah : Träger fordert mehr Geld ein

Infos aus erster Hand bekommt Sozialministerin Birgit Hesse (l.) von Katharina Hillscher und den Mitarbeiterinnen der Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung der Stadtmission.
Infos aus erster Hand bekommt Sozialministerin Birgit Hesse (l.) von Katharina Hillscher und den Mitarbeiterinnen der Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung der Stadtmission.

Land plant neues Schwangerschaftskonfliktberatungsgesetz. Sozialministerin holt sich Tipps bei der Rostocker Stadtmission.

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02. März 2016, 12:00 Uhr

Schon vor der Geburt stehen Eltern vor schwerwiegenden Entscheidungen: Sollen sie Elternzeit in Anspruch nehmen? Wenn ja, welche Modelle gibt es? Welche Regelungen sieht der Gesetzgeber zum Mutterschutz, zur Anerkennung der Vaterschaft oder zum Anspruch auf Unterhaltszahlungen vor? Und was tun, wenn das Kind nicht gewollt ist? Hilfe finden Betroffene bei der Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung der Stadtmission.

Insgesamt 730 Menschen suchten im vergangenen Jahr in der Stampfmüllerstraße 41 Rat. „In letzter Zeit ist es für uns und die Eltern noch anspruchsvoller geworden“, sagt Beraterin Miriam Scharnweber. Beispielsweise ermögliche der Gesetzgeber zwar seit Juli 2015 über das Elterngeld Plus, die Unterstützung des Staates auf bis zu 28 Monate auszudehnen, sofern Mutter und Vater schnell in Teilzeit in den Job zurückkehren. Real sei das aber selten eine Option. Schon die Suche nach einem Platz in der Kinderbetreuung setze Grenzen, so Scharnweber. „Das schreckt viele Eltern ab.“ Auch deswegen würden viele länger als ein Jahr zu Hause bleiben.

Gestern gaben Scharnweber und ihre Kolleginnen Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) für das neue Schwangerschaftskonfliktberatungsgesetz Hinweise aus der Praxis. „Nächste Woche ist der Gesetzentwurf im Landtag“, sagt Hesse. „Ich bin nicht hier, um nur zu hören, dass alles gut läuft.“ Größte Sorge der Stadtmission: die Finanzierung. Offiziell muss der Träger nur zehn Prozent der Kosten selbst aufbringen. Tatsächlich liege der Anteil aber deutlich darüber, so Vorstand Vera Blum-Pürckhauer. Denn die öffentliche Unterstützung sei vor allem auf die Personalkosten ausgerichtet, während Sach- und Verwaltungskosten wie etwa die Miete nur zu einem Bruchteil abgedeckt würden. Hinzu komme, dass diese Pauschale seit 25 Jahren nicht mehr angehoben worden sei. Folge: „Wir fragen uns jedes Jahr, ob wir uns das Angebot noch leisten können“, sagt Blum-Pürckhauer. Es könne nicht sein, dass die Träger mit dem Fehlbetrag allein gelassen werden, obwohl die Schwangerenkonfliktberatung eine staatliche Pflichtaufgabe sei.

Auch Klaus Schmidt vom Diakonischen Werk MV warnt: „Wenn die öffentliche Beteiligung weniger wird, sehe ich einige Träger von Beratungsstellen aussteigen.“ Das jedoch will die Ministerin unbedingt verhindern. Sie sagt daher zu: „Wir werden nicht kürzen.“ Die Beratung diene auch der Prävention und sei langfristig günstiger, als später Eltern und Kinder aus schwierigen Situationen helfen zu müssen. Das gelte im Übrigen auch für schwangere Flüchtlingsfrauen, die derzeit vermehrt in MV ankommen würden.

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