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Schifffahrtsmuseum Rostock : Tradi hält an neuem Konzept fest

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Unabhängig vom Standort sollen Millionen in Inhalte fließen. Rostocker entscheiden am 24. September über Verholung in Stadthafen

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erstellt am 29.Aug.2017 | 06:00 Uhr

Etwa 35 000 bis 40 000 Besucher zählt das Schifffahrtsmuseum auf dem Traditionsschiff im IGA-Park pro Jahr. Erst im Juli habe es einen neuen Monatsrekord geknackt, so Museumsleiterin Dr. Kathrin Möller. Um die Besucherzahlen konstant zu halten und sogar steigern zu können, müssen jedoch die Inhalte aufgearbeitet, das gesamte Konzept modernisiert werden. Ein entsprechender Entwurf inklusive landseitiger Nutzung liegt der Stadt bereits vor – unabhängig vom Standort.

Äußerlich sei das ehemalige Frachtschiff „Dresden“ in gutem Zustand, doch der Bedarf zu sanieren, sei da: „Es herrschen akute Temperaturschwankungen unter Deck, die weder gut für die Ausstellungstücke noch für die Besucher sind. Das Schiff ist eine echte Energievernichtungsmaschine“, sagt Möller, die seit Anfang des Jahres das siebenköpfige Tradi-Team führt. Ohne die Sanierung belaufe sich der Unterhalt auf 800 000 Euro pro Jahr. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen an Heizungs- und Lüftungsanlage, im sanitären Bereich und Umrüstung auf LED-Beleuchtung hätten sich bereits in etwa fünf Jahren amortisiert, so die Museumschefin.

Neben der energetischen Sanierung sieht Möller aber vor allem inhaltlichen Nachholbedarf. „Beispielsweise ist die DDR-Geschichte nach ’45 völlig veraltet. Hier würden wir gern viel mehr machen, was den Schiffbau, die Arbeit auf den Werften betrifft“, sagt Möller. Auch der Ausstellungsteil zum Thema Windkraft und Offshore von 2012 sei dringend überholungsbedürftig: „Da passiert so viel, dass im Prinzip nach zwei Jahren alles veraltet ist“, sagt die Museumsleiterin. Sie überlege bereits, wie sie und die Partnerfirmen effektiver arbeiten könnten.

Etwa 9000 Objekte und 20 000 Fotos befinden sich auf dem Tradi, per Handy-App sollen künftig auch Audio-Dateien das Geschehen auf dem alten Frachter veranschaulichen, so Möller. Geplant seien zudem zwei bis drei Sonderausstellungen pro Jahr, die gerade Familien mit Kindern ansprechen könnten sowie ein umfangreiches Catering-Angebot, das zum längeren Verweilen einlädt. „Wir wollen ein museales Erlebnis schaffen“, sagt Aufsichtsratschefin Karina Jens. Das soll sich nicht nur auf den 2000 Quadratmetern auf dem Traditionsschiff, sondern auch auf den 3000 Quadratmetern an Land abspielen. Entsprechende Investitionen für Leitungen seien bereits getätigt. Die würden mit der potenziellen Verholung des Schiffes in den Stadthafen allerdings verpuffen, so Jens.

Fest steht: Sanierung und das neue Konzept sind unbedingt notwendig und werden kommen, unterstreicht Kulturamtsleiterin Michaela Selling. Über den Standort des Schiffes jedoch entscheiden die Rostocker am 24. September in Form eines Bürgerentscheids.

Kommentar von Katrin Zimmer: Drum prüfe, was du ewig wählest
„Go Tradi Go“, lautet das zugegebenermaßen recht eingängige Motto derjenigen, die das Schiff mitsamt Museum für knapp vier Millionen Euro in den Stadthafen holen wollen – allerdings noch ohne notwendige Maßnahmen auf der Landseite bezahlt zu haben. „Go Tradi Go“ sollte in meinen Augen aber auch bedeuten, dass jeder, der die Möglichkeit hat, einmal selbst auf die „Dresden“ am Liegeplatz im IGA-Park steigen und sich das Ganze ansehen sollte – im Bauch des Schiffes und rundherum. Denn am 24. September ein Kreuz pro Stadthafen oder Schmarl zu machen, ohne je selbst da gewesen zu sein, wäre wie wählen, ohne Parteiprogramme studiert zu haben: höchst verwerflich.
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