Neuer S-Bahn-Halt Rostocker Stadtwald? : Touristen fordern die Förster

Das gestern feierlich enthüllte Werk von Holzbildhauer Harald Wroost begrüßt die Besucher, die ihre Tour vom Parkplatz vor Hinrichshagen starten. Ihren Stadtwald erwarb die Hansestadt mit einer auf den 25. März 1252 datierten Eigentumsurkunde. Kaufpreis damals: 450 Mark.
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Das gestern feierlich enthüllte Werk von Holzbildhauer Harald Wroost begrüßt die Besucher, die ihre Tour vom Parkplatz vor Hinrichshagen starten. Ihren Stadtwald erwarb die Hansestadt mit einer auf den 25. März 1252 datierten Eigentumsurkunde. Kaufpreis damals: 450 Mark.

Wachstum der Branche wirkt sich auch auf den Rostocker Stadtwald aus / Neuer S-Bahn-Haltepunkt geplant

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08. April 2017, 09:13 Uhr

Mehrere Hunderttausend Besucher verzeichnet Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth jedes Jahr in der Rostocker Heide. „Gerade im touristischen Bereich steigen die Anforderungen“, sagt er. Daher fordern er und sein Team im frisch vorgelegten Forstbericht, „künftig generell die Grenzen des touristischen Wachstums in diesem sensiblen Waldgebiet zu bestimmen“. Einschränken will Harmuth den Zugang allerdings nicht, stellt er klar. „Unsere Zielstellung ist auf Naturschutz und Naherholung ausgerichtet – sicher auch auf Holzeinschlag, aber nicht um jeden Preis.“ Schließlich gehöre der Wald den Rostocker Bürgern, also sollen sie ihn auch nutzen können.

Um ihnen das künftig noch zu erleichtern, arbeiten Stadtforstamt und Rathaus bereits seit einem Jahr an der Einrichtung eines neuen S-Bahn-Haltepunkts. Er soll an der Strecke nach Graal-Müritz auf Höhe des Köhlerhofs Wiethagen eingerichtet werden. Technisch sind die Voraussetzungen gegeben, heißt es im Forstbericht, noch fehle allerdings die Zustimmung des Schweriner Verkehrsministeriums.

„Mittlerweile ist die geforderte Potenzialanalyse erarbeitet und übergeben worden“, heißt es im Forstbericht. Dafür sei das Beratungsunternehmen Bahnstadt Agentur beauftragt worden. Vonseiten der Hansestadt seien dennoch weiterhin große Anstrengungen zu unternehmen. Diese soll nun Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) forcieren.

Ihm liegt vor allem die Rolle des Waldes als Faustpfand gegen den Klimawandel am Herzen. Denn die finde im Verdrängungswettbewerb mit den Diskussionen um das Theater oder Stau-Probleme immer wieder zu wenig Beachtung, so Matthäus. Dabei sei klar: „Wir gehen sehenden Auges auf eine Klimaveränderung zu, die Verteilungskämpfe bisher unbekannten Ausmaßes nach sich ziehen wird.“ Rostock versucht dem beispielsweise mit dem Masterplan 100 Prozent Klimaschutz, dem Mobilitätsplan Zukunft oder dem Konzept der Fahrradschnellwege gerecht zu werden. Und auch der 6000 Hektar große Stadtwald übernehme dabei einen wichtigen Part: „Ein Hektar speichert 250 Tonnen Kohlenstoffdioxid, das entspricht der Lebensemission eines 80-Jährigen“, erklärt Matthäus. Insgesamt seien in der Rostocker Heide 5,6 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid gespeichert – also der ökologische Fußabdruck von 20 000 Menschen. „Wenn wir als Stadt klimaneutral werden wollen, müssten wir den Wald verzehnfachen“, sagt der Senator.

Das hätte massive Auswirkungen auf den Holzeinschlag, der 2016 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich auf rund 10 800 Festmeter gedrosselt wurde. Nach den Zwangsaufräumarbeiten im Anschluss an das Hochwasser von 2011, den Orkan Xaver 2013 und die Stürme Elon und Felix im Januar 2015 will das Forstamt dem Wald vorerst mehr Erholung zugestehen.

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