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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 04:27 Uhr

Totschlag: Altenpfleger vor Gericht

vom

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2013 | 10:43 Uhr

Rostock | Vor der dritten Großen Strafkammer des Landgerichts Rostock muss sich zurzeit Mathias Sch. (34), Mitarbeiter eines Rostocker Altenpflegeheims, wegen Totschlags beziehungsweise Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Er wird beschuldigt, am 15. Juni 2012 in der Demminer Straße während eines Streits den 69-jährigen ehrenamtlichen Hausmeister Horst K. die Haustreppen heruntergestoßen zu haben. Der Rentner starb drei Wochen später an den Folgen des Sturzes.

Mathias Sch. und Horst K. stritten sich schon seit Längerem, weil der 34-Jährige sein Auto regelmäßig in einer Straßenkurve parkte. Das missfiel dem Hausmeister, den der Angeklagte einen "selbst ernannten Hauswart" nennt. Der Streit eskalierte laut Staatsanwaltschaft derart, dass der 69-Jährige sich dazu hinreißen ließ, die Reifen des Fahrzeugs von Mathias Sch. zu durchstechen. Am Morgen des 15. Juni 2012 sei er daraufhin kleinlaut bei dem Angeklagten erschienen, der inzwischen Anzeige erstattet hatte.

Der Hausmeister habe sich entschuldigt und gebeten, die Angelegenheit außergerichtlich zu klären. Davon wollte Mathias Sch. aber nichts wissen und schickte ihn weg. Kurze Zeit später habe Horst K. erneut an der Wohnungstür des Angeklagten geklingelt. Diesmal habe der Hausmeister ihn mit Pfefferspray besprüht, wobei er keine Rücksicht auf die Lebensgefährtin und die gemeinsame kleine Tochter nahm, die ebenfalls in der Tür standen. Er habe daraufhin dem Hausmeister vor die Brust getreten. Es könnten auch zwei Tritte gewesen sein, heißt es in einer schriftlichen Erklärung, die der Angeklagte durch seinen Anwalt verlesen ließ und in der er sich für die Tat entschuldigt.

An Brisanz gewann der Prozess durch das Verhalten von Natalie A., der ehemaligen Lebensgefährtin des Angeklagten. Sie korrigierte ihre bisherige Aussage dahingehend, dass Mathias Sch. dem Opfer drei bis vier Fußtritte versetzt habe, und das auch noch, als die Pfefferspraydose schon längst weggeflogen war und der 69-Jährige krampfhaft versuchte, sich am Treppengeländer festzuhalten. Daraufhin wurde erneut der Tatvorwurf Totschlag erhoben und der Angeklagte in Untersuchungshaft genommen. Für die Vertreterin der Rostocker Staatsanwaltschaft war die Aussage der Zeugin Natalie A. absolut glaubhaft. Sie habe damals in der polizeilichen Vernehmung nicht alles gesagt, wie es wirklich war, sagte sie vor Gericht. Verteidigung und die Eltern des Angeklagten, die gestern als Entlastungszeugen geladen waren, verdächtigen sie aber der Rachegefühle gegen Mathias Sch., da er sich wegen eines neuen Liebesverhältnisses zu einer Arbeitskollegin von der Mutter seines Kindes getrennt habe. Ihr Sohn habe Zivilcourage gezeigt, meinten sie. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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