Toter Junge: Mutter verklagt die Bahn

svz.de von
10. Januar 2013, 10:49 Uhr

Rostock | Ein Stromschlag tötete ihren Sohn an den S-Bahn-Anlagen im Rostocker Stadtteil Dierkow - jetzt verklagt die Mutter die Bahn. Die Rostockerin verlangt gut zwei Jahre nach dem tragischen Unglück auf den Gleisen vom Netzbetreiber, der DB Regio AG, Schmerzensgeld und Schadensersatz in Höhe von knapp 30 000 Euro. "Unserer Ansicht nach sind vorgeschriebene Verkehrssicherungspflichten nicht eingehalten worden", sagt Rechtsanwalt Christoph Bomke, der die Mutter des tödlich verunglückten Jungen vertritt.

Der 14-Jährige hatte am 15. Februar 2011 mit zwei Freunden den hinteren Bereich der Gleisanlagen an der Hinrichsdorfer Straße erkundet. Wie die Kinder am späten Dienstagabend auf die Idee dazu gekommen waren, ist unklar. Der 14-Jährige war auf einen abgestellten Waggon geklettert und hatte dabei einen 15 000-Volt-Fahrdraht berührt. Der Stromschlag durchfuhr seinen ganzen Körper und schleuderte ihn zu Boden. Der Junge starb noch am Unfallort.

Wegen seines Todeskampfes habe er Anspruch auf Schmerzensgeld, der nun auf seine Mutter als Erbin übergehe, erläutert der Medizinrechts-Spezialist Bomke. Offen sei die Frage, ob ein eventuelles Mitverschulden des Jungen seinen Anspruch verkürzen könne. Dabei spiele auch sein Alter eine Rolle. "Zudem hat die Mutter auch unabhängig vom Verschulden einen Anspruch nach dem Haftpflichtgesetz", so Bomke.

Ein Hinweis darauf, dass die Sicherungsmaßnahmen an der Unglücksstelle nicht ausreichend waren, könnten die Nachbesserungen sein, die dort nach dem tragischen Unfall gemacht wurden. Das will ein Freund der Familie dokumentiert haben. Die DB Regio nahm gestern dazu allerdings nicht Stellung.

Den Angaben des Anwalts zufolge vertritt die DB Regio eine konträre Auffassung in dem Fall und weist die Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche zurück. Nun wird der Fall vor dem Landgericht Rostock verhandelt. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Rechtsanwalt Bomke rechnet seiner Mandantin gute Chancen aus - auch wenn der Fall womöglich über mehrere Instanzen geht.

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