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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 13:58 Uhr

WC-Konzept : Toiletten nur für Touristen?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Verwaltung sieht nur für drei Viertel Sanitäranlagen vor / Stadt stellt den übrigen 16 Ortsbeiräten das Konzept am 4. März vor

Leidig und belächelt ist es, das Thema öffentliche Toiletten in Rostock. Aber: Künftig soll es nur noch für Stadtmitte, Warnemünde und Markgrafenheide ein Thema sein. In allen anderen Stadtteilen, so ein Konzept, soll es keine öffentlichen WCs geben. Am 25. März soll die Bürgerschaft über das Konzept des Umweltamtes entscheiden, über die neue Verteilung, den Ersatz von Toiletten und Investitionen dafür von 3,85 Millionen Euro.

Die Vertreter der nicht bedachten Ortsteile, der übrigen 16 Ortsbeiräte, sind wenig begeistert, außen vor zu sein. Auf ihre Forderungen hin wird das Konzept am 4. März Vertretern der übrigen 16 Ortsbeiräte vorgestellt. „Dort besteht auch die Möglichkeit, weiterführende Fragen zu stellen“, räumt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) auf eine Anfrage vom Beirat Dierkow Neu, ein.

Grundsätzlich müssten alle Ortsbeiräte in das Thema einbezogen werden, fordert Karsten Cornelius (SPD) vom Hansaviertel. Reutershagen teilt die Ansicht. „Es sei beschämend für eine Stadt, keine öffentlichen Toiletten für ihre Bürger vorzuhalten“, findet Anette Niemeyer (Aufbruch 09) aus der Kröpeliner-Tor-Vorstadt – „Soll es Toiletten nur für Touristen geben?“

„Man vergisst die Rostocker“, sagt Uwe Friesecke (CDU) von Dierkow Ost und West. Im Wohngebiet müsse es sicher nicht zwingend WCs geben, aber an zentralen Umsteigepunkten wie dem Dierkower Kreuz. Die Toilette dort soll aber abgebaut werden. Das kann auch Niemeyer nicht nachvollziehen und wünscht sich für den Doberaner Platz und den Holbeinplatz eine Sanitäranlage. „Auch die Annahme, die Menschen würden sich nicht im öffentlichen Raum aufhalten, ist völlig am Geist der Zeit vorbei“, sagt Niemeyer. Beiratskollege Friedrich Gottschewski unterstreicht: „Im Sommer halten sich so viele im Stadthafen auf, treffen sich, grillen – und das stundenlang.“ Unterhalb des Werftdreiecks müsse es eine Anlage geben, befindet er. Doch warum beschränkt sich das Konzept auf drei Viertel? – „Es gibt keine rechtliche Verpflichtung für eine Kommune, öffentliche Toiletten vorzubehalten“, erklärt Silva Schölens-Burmeister vom Umweltamt. Das Konzept solle immerhin Verbindlichkeit schaffen, müsse aber auch wirtschaftlich bleiben. Und das sei eigentlich keine öffentliche Toilette, am wenigsten jedoch in den Wohnvierteln. Im März wird sich entscheiden, ob Wirtschaftlichkeit oder Grundsätze siegen.

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