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Prozess in Rostock : Tod am Herrentag: Haftstrafe gefordert

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Im Prozess um die tödliche Schlägerei auf dem Warnemünder Bahnhof am Himmelfahrtstag 2011 hat die Staatsanwaltschaft vier Jahre und acht Monate Haft für den 25- jährigen Angeklagten gefordert.

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erstellt am 25.Jan.2012 | 08:44 Uhr

Rostock | Nach der tödlichen Schlägerei am Herrentag muss der Hauptangeklagte Nils W. (25) mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. Die Staatsanwaltschaft forderte gestern vor dem Rostocker Landgericht vier Jahre und acht Monate Gefängnis. Nils W. soll am Himmelfahrtstag den 44-jährigen Knud H. mit Faustschlägen getötet haben. Die Staatsanwaltschaft plädierte aber nicht auf Totschlag, wie angeklagt, sondern auf Körperverletzung mit Todesfolge und Beteiligung an einer Schlägerei. Auch die Verteidigung von Nils W. beantragte eine Haftstrafe - drei Jahre und acht Monate.

Was passierte am 2. Juni 2011, gegen 16.30 Uhr, auf dem Bahnsteig 3 des Warnemünder Bahnhofs? War es Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge? Diese Fragen waren zu beantworten. Die Staatsanwältin ließ keinen Zweifel daran, dass sie die Abwertung des christlichen Himmelfahrtstages zu einem Herrentag, verbunden mit hemmungslosem Trinken, zutiefst verabscheue. Damit eröffnete sie ihr Plädoyer. Am Tattag seien zwei Männergruppen nach ausgiebigem Feiern aufeinandergeprallt. Der Anlass des Geschehens sei bis jetzt nicht bekannt. Fest stehe jedoch, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem späteren Opfer, dem Angeklagten und seinem Kumpel Björn Sch. kam. Knud H. habe sich zur Wehr gesetzt und den Angeklagten zweimal niedergerungen. Nachdem sie getrennt worden waren, habe er sich zurückgezogen. Die Auseinandersetzung sei eigentlich beendet gewesen. Um 16.36 Uhr sei Nils W. aber von hinten an das Opfer herangetreten und habe ihm zwei wuchtige Schläge in den Nacken und an die linke Halsseite versetzt.

Dabei rotierte der Kopf von Knud H. und die innere Schlagader zerriss. Die beiden Schläge seien die Ursache des Todes gewesen. Daran gebe es keinen Zweifel. Eingehend befasste sich die Staatsanwältin mit den Aussagen des Angeklagten zum Tatgeschehen. Er hatte die Schläge eingeräumt, aber eine Tötungsabsicht vehement zurückgewiesen. "Er musste die Tat einräumen, denn die Überwachungskameras am Bahnhof haben das Geschehen minutiös aufgezeichnet", erklärte die Anklägerin. Das sei kein volles Geständnis gewesen, denn er habe zwar mitgeteilt, dass er Sport treibe, zum Beispiel Fußball, aber seine Mitgliedschaft im German Fight Club in Evershagen verschwiegen. Die Auswertung der Hausdurchsuchung im Club habe keine sichere Erkenntnis gebracht, dass der Angeklagte die gefährlichen Schläge bewusst einsetzte. Also "in dubio pro reo", im Zweifel für den Angeklagten. Und so plädierte die Staatsanwältin für eine rechtliche Wertung des Geschehens als Körperverletzung mit Todesfolge.

Nur das eingeräumt, was die Videos ohnehin bewiesen

Sie sah keine Strafminderung durch den genossenen Alkohol, rechnete aber zu seinen Gunsten, dass er bisher nicht vorbestraft ist und Reue zeigte. Als strafverschärfend wertete sie die nicht wieder gutzumachenden Folgen für die Familie des Opfers und dass der Angeklagte genau wusste, wie er unter Alkohol reagiert. "Bei allem bleibt ein fataler Beigeschmack", so die Anklagevertreterin zum Schluss. Beide Nebenklägervertreter äußerten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Angeklagten. Er habe nur das eingeräumt, was durch die Videos bereits feststand. Die Verteidigung versicherte noch einmal, dass ihr Mandant den Tod des Opfers nicht wollte. "Ich wollte es wirklich nicht", beteuerte Nils W. in seinem letzten Wort. Das Urteil wird am 31. Januar bekannt gegeben.

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