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12. Dezember 2017 | 03:55 Uhr

Tod am Herrentag: "Es war Rache"

vom

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erstellt am 31.Jan.2012 | 08:49 Uhr

Rostock | Eine gespannte Atmosphäre herrschte gestern Mittag im Gerichtssaal. Erwartet wurde das Urteil für eine Tat, die deutschlandweit für Entsetzen gesorgt hatte. Nach der tödlich endenden Schlägerei am Herrentag in Warnemünde musste sich der 25-jährige Nils W. vor dem Rostocker Landgericht verantworten. Vier Jahre und acht Monate Gefängnis wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit Beteiligung an einer Schlägerei lautete gestern das Urteil der 3. Großen Strafkammer. Nils W. wurde für schuldig befunden, am 2. Juni 2011 auf dem Warnemünder Bahnhof den Tod des 44-jährigen Knud H. verursacht zu haben. Mit dem Strafmaß folgte die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte ein Jahr weniger gefordert.

Von der Malerlehre in die Prügelbande

Der Vorsitzende Richter beschrieb eingehend den Werdegang des Angeklagten, seine gute Erziehung im Elternhaus, den Abschluss der Hauptschule und der anschließenden erfolgreichen Lehre als Maler und Lackierer. Auch seine Mitgliedschaft in einer Schlägertruppe um den Kaufmann Björn Sch. (24), den Handelsvertreter Marcel L. (29) und den Anlagenmonteur Tom G. (23) kam zur Sprache. Der Richter bezeichnete sie als Mittäter am Himmelfahrtstag, die ihre Strafe noch bekommen würden. Schon von 2006 an saß Nils W. mit seinen Kumpanen auf der Anklagebank, wenn es um Schlägereien ging. Er hatte immer Glück. Gegen ihn wurden die Verfahren eingestellt.

Am Vatertag zogen die jungen Männer grölend durch die Kröpeliner Straße. Nach der Grillparty am Wall entschlossen sie sich, nach Warnemünde zu fahren. Gegen 16.30 Uhr trafen sie auf die Gruppe um Knud H., die sich auf dem Nachhauseweg befand. Björn Sch. begann die Schlägerei. Das zeigten die Videoaufzeichnungen am Bahnhof. Der Angeklagte wirkte keineswegs beschwichtigend auf die Szene ein. Das aber hatte er in seiner Erklärung, in der er die tödlichen Schläge einräumte, angegeben. Das sei eine reine Schutzbehauptung, sagte der Richter. Im Gegenteil: Er kämpfte mit Knud H., dem es aber gelang, den Angeklagten niederzuringen. Dafür wollte sich Nils W. rächen. Er versetzte dem späteren Opfer einen kräftigen Faustschlag ins Gesicht. Dann zog er sich zurück und näherte sich Knud H. noch einmal von hinten. Er versetzte ihm einen wuchtigen Schlag in den Nacken und dann noch einen zweiten an die rechte Halsseite. Der 44-Jährige schlug mit dem Kopf gegen die S-Bahn, brach zusammen.

Daraufhin flohen der Angeklagte und seine Kumpanen zum Strand. Das alles war auf den Überwachungsvideos des Bahnhofs genau zu sehen. Die Gruppe wurde noch am Abend festgenommen.

Knud H. verstarb an seinen schweren Verletzungen. Alleinige Todesursache: ein Riss in der Halsschlagader, der durch die kraftvollen Schläge des Angeklagten hervorgerufen wurde. "Der Angeklagte war zu jeder Zeit in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen", sagte der Richter. Das hätten die Gutachten der Sachverständigen ergeben. "Er war Alkohol gewöhnt und handelte zielgerichtet." Er wusste, dass Schläge an Kopf und Hals eines Menschen tödlich sein können.

Eingehend beschäftigte sich die Urteilsbegründung mit der Frage, ob der Angeklagte den Tod des Opfers wollte. Das Gericht kam zu der Auffassung, dass zwar kein Tötungsvorsatz, aber der Vorsatz eines Denkzettels bestand. Es wertete das Teilgeständnis und die Anzeichen von Reue zu Gunsten des Angeklagten. Als strafverschärfend aber die Massivität und das Nachsetzen der Schläge, als eigentlich alles schon vorbei war. "Es war reine Rache", sagte der Richter. Die Verteidigung wollte gestern zum Urteil noch keine Erklärung abgeben.

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