Tipps vom Merk-Profi: Erfolg ohne Spickzettel

Kleine Übung zum Warmwerden: Gedächtnis-Profi Gregor Staub geht durch die Reihen und merkt sich mit Hilfe kleiner Tricks - 'Tom wie Tomate' - die Namen der Schüler. Zum Beispiel die von Tom  Schönau, Torben Frohberg, Eddie Warnick und Paul Gemsa (v. l.). Claudia Labude-Gericke
Kleine Übung zum Warmwerden: Gedächtnis-Profi Gregor Staub geht durch die Reihen und merkt sich mit Hilfe kleiner Tricks - "Tom wie Tomate" - die Namen der Schüler. Zum Beispiel die von Tom Schönau, Torben Frohberg, Eddie Warnick und Paul Gemsa (v. l.). Claudia Labude-Gericke

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04. September 2012, 09:13 Uhr

Sanitz | Ein Mann irrt durch den Park und findet einen Engel, der in seiner Tasche eine Landkarte hat. Was sich nach dem Beginn einer Abenteuergeschichte anhört, ist in Wirklichkeit eine Merkhilfe. In dem Satz verstecken sich Hinweise auf Irland und England. Wer sich den Rest der Geschichte von Gregor Staub auch noch merkt, weiß am Ende alle 27 Länder der Europäischen Union in der Reihenfolge auswending, in der sie auf der Landkarte auftauchen.

Motivation ist wichtiger als Intelligenz

Merk-Profi Staub ist mit 16 Jahren von der Schule geflogen. Das Lernen lag ihm nicht. Zumindest so lange nicht, bis er eine Methode fand, um seine grauen Zellen zu Höchstleistungen anzuregen. Und die gibt der Schweizer nun an alle weiter, die bereit sind, dazuzulernen.

"Ich habe Staub beim 1. Norddeutschen Schulleitertag im vergangenen Jahr erlebt. Dort hat er das Angebot gemacht, an die Schulen zu kommen - und zwar ohne sein sonst übliches Honorar zu verlangen", sagt Christine Schnippert. Die Leiterin der Regionalen Schule Sanitz sicherte sich sofort einen Termin. Gestern nun war es so weit. Nicht nur rund 300 Fünft- bis Zehntklässler lauschten dem Merk-Profi. Auch dem Kollegium und interessierten Eltern gab Staub eine mehrstündige Weiterbildung. "Es geht darum, mit Leidenschaft bei der Sache zu sein. Und das schafft man am besten durch Erfolgserlebnisse", so der 58-Jährige.

Wenn Kinder sich in ihrer Freizeit mit Feuereifer an einem Computerspiel versuchen und dort immer besser werden, lernen sie es schneller. Genauso kann es auch mit Vokabeln oder Geschichtsfakten funktionieren, behauptet der Gedächtnis-Trainer. Dabei geht es ihm nicht darum, vom Podium aus kluge Ratschläge zu geben. Nein, Staub lässt seine Zuhörer die Tricks gleich anwenden.

Und vor allem mehrfach wiederholen. "Fünf konzentrierte Wiederholungen reichen, um die Technik zu verinnerlichen", sagt der Schweizer. Er selbst lerne gerade das Gitarrenspiel, seine Tochter versucht sich an Chinesisch. Und beide haben Erfolg. "Lernen hat mit Motivation zu tun, nicht mit Intelligenz", sagt Staub und sichert sich so die Aufmerksamkeit vieler der Sanitzer Schüler, die beim Lernen öfter einmal verzweifeln. "Wir müssen viele Gedichte auswendig lernen. Da können ein paar Tipps nicht schaden", sagt Torben Frohberg. Vielleicht wird der Fünftklässler es bald mit der Staubschen Methode probieren und sich Dinge, die er sich merken will, als Teile einer Geschichte vorstellen. Wer Fakten in Bilder verwandelt und diese zu einer Geschichte fügt, erleichtere es seinem Gehirn, sich diese Dinge in der gewünschten Reihenfolge zu merken. Die Sanitzer Lehrer, die gestern ebenfalls eine Lektion vom Profi erhielten, werden bei ihren nächsten Tests sehen, ob Staubs Anregungen nachhaltig erfolgreich waren.

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