Rostock : Ticketkauf nur noch per Bankkarte

Gegen 2 Uhr hörte Anwohnerin Carola Parlow den Krach in der Helsinkier Straße – ihr erster Gedanke: „Da hatte noch jemand Polenböller übrig.“
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Gegen 2 Uhr hörte Anwohnerin Carola Parlow den Krach in der Helsinkier Straße – ihr erster Gedanke: „Da hatte noch jemand Polenböller übrig.“

Wegen Automaten-Sprengungen: RSAG schaltet Bargeld-Funktion an stationären Geräten ab. Deutsche Bahn setzt auf Farbpatronen

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06. Januar 2018, 05:00 Uhr

Seit Mitte November haben Unbekannte allein in Rostock sieben Fahrscheinautomaten der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) und ein Gerät der Deutschen Bahn gesprengt. Mehrere weitere Fälle betreffen Orte im benachbarten Landkreis. Gegen 2 Uhr in der Nacht zu gestern schlugen die Täter erneut zu, dieses Mal am Haltepunkt Helsinkier Straße. Pro Gerät rechnet RSAG-Sprecherin Beate Langner mit rund 30 000 Euro Schaden. Ist der Sockel beschädigt, könne die Summe schnell um weitere 10 000 Euro steigen. „Die Beute steht in keinem Verhältnis dazu“, sagt Langner. Sie betrage meist nur wenige Euro.

„Die Automaten sind versichert“, erklärt Langner. Um den Anreiz für die Täter dennoch zu senken, greift das Unternehmen nun zu drastischen Mitteln. Die Geldkassetten der bisher verschonten 53 stationären Geräte werden geleert, Kunden können dort bis auf Weiteres nur noch per girocard (früher: EC-Karte) zahlen. In den Fahrzeugen und Kundencentern bleibt hingegen alles wie gehabt.

Bis Ersatzautomaten stehen, werde es noch dauern, so Langner: „Die Lieferzeiten betragen ab sechs Monate aufwärts.“ Etwas Abhilfe schaffen könnte das Handyticket, das voraussichtlich im Frühjahr im Gebiet des Verkehrsverbunds Warnow zur Verfügung stehen soll.

Die Deutsche Bahn rüstet ihre Automaten seit zwei Jahren mit Farbpatronen in den Geldkassetten aus, erklärt ein Sprecher. Wird das Gerät gesprengt oder stark durchgerüttelt, platzen diese und machen die Beute unbrauchbar. „Seitdem haben wir starke Rückgänge der Aufbrüche um fast 40 Prozent“, erklärt der Sprecher. Seiner Erfahrung nach seien meist professionelle Banden für die Taten verantwortlich. Vor zwei Jahren sei einer der Täter sogar ums Leben gekommen, als er mit einem Gasgemisch hantiert habe.

Auch in Rostock nutzen die Unbekannten für die Sprengung zum Teil Gas, aber auch Pyrotechnik. Um die Verantwortlichen zu finden, hat die RSAG 4000 Euro Belohnung ausgesetzt. „Wir haben Anhaltspunkte, dass an einigen Orten mehrere Täter agiert haben“, sagt Stefan Baudler vom Polizeipräsidium Rostock. Derzeit gehen die Ermittler den Spuren nach. „Es gibt Videoaufnahmen von Bürgern, die noch ausgewertet werden“, so Baudler.

Mit dem neuesten Fall sei die Zahl der attackierten Geräte in Rostock seit Ende 2016 auf 19 gestiegen. Betroffen seien Fahrkarten-, Parkschein- und Zigarettenautomaten.

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