Kritik : Thierse: Theaterpolitik überdenken

Großartiges Trio: Als Leokadja Begbick, Prokurist Willy und Dreieinigkeitsmoses gehören Jasmin Etezadzadeh, Garrie Davislim (l.) und Tim Stolte unbestritten zu den Höhepunkten der Oper.
Großartiges Trio: Als Leokadja Begbick, Prokurist Willy und Dreieinigkeitsmoses gehören Jasmin Etezadzadeh, Garrie Davislim (l.) und Tim Stolte unbestritten zu den Höhepunkten der Oper.

Der Alt-Bundestagspräsident rügt Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister. Brodkorb verweist auf den Koalitionsvertrag

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02. März 2015, 14:00 Uhr

In den Streit um die Zukunft des Volkstheaters hat nun auch der Chef des SPD-Kulturforums, Wolfgang Thierse, ein eingegriffen. In einem Brief an Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) forderte der Alt-Bundestagspräsident, die Entscheidungen zum Volkstheater zu überdenken.

„Die Suche nach neuen Konzepten sollte davon geleitet sein, die Attraktivität für die Stadt und die überregionale Ausstrahlung des Theaters zu stärken und nicht davon, es weiter zu reduzieren, ja letztlich kaputtzusparen“, heißt es in dem Brief. Die sozialdemokratische Kulturpolitik in Mecklenburg-Vorpommern werde langsam auch für die Bundespolitik zu einem Problem, schreibt Thierse in dem Brief, der das Datum 19. Februar trägt – eine Woche vor der Entscheidung der Bürgerschaft. Die Beschlussvorlage war erst am Dienstag öffentlich zugänglich. Auch in Vorpommern stemmen sich die Kommunen gegen Fusionspläne der Landesregierung.

Thierse sei eine herausragende Persönlichkeit der SPD, er beantworte dessen Briefe gerne und ausführlich, aber nicht öffentlich, reagierte Brodkorb. Die Theaterreform sei im Koalitionsvertrag von SPD und CDU festgeschrieben, wurde von zwei Parteitagen mit breiter Mehrheit verabschiedet und damit zum verbindlichen Handlungsauftrag für die Landesregierung. „Es gehört auch zur Demokratie, solche Mehrheitsbeschlüsse zu respektieren“, sagte Brodkorb.

Nach Worten Thierses ist Kultur eine Pflichtaufgabe, die Sanierung von Haushalten dürfe nicht zu ihren Lasten gehen. „Kultur ist eine Investition in die Zukunft, die sich im Hinblick auf Demokratie und Standortattraktivität vielfach auszahlt.“ Wenn im Land eine Politik betrieben werde, die auf sozialdemokratischen Grundsätze keine Rücksicht nimmt, richte das Schaden an und beschädige das Ansehen der Sozialdemokratie, kritisierte Thierse den Parteifreund.

Nach der Bürgerschaftssitzung am Mittwoch war die Premiere der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ zu einer Demonstration für das gefährdete Volkstheater geworden. In der Schlussszene trugen die Künstler Plakate mit Aufschriften wie „Kein Volkstheater“ oder „Keine Oper“. Die Rostocker Bürgerschaft hatte am Mittwoch auf Betreiben von Brodkorb und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) mit knapper Mehrheit weitreichende Strukturveränderungen am Volkstheater beschlossen. Unter anderem sollen Musik- und Tanztheater künftig mit anderen Bühnen kooperieren. Nach Ansicht von Kritikern ist dies letztlich das Ende des Vier-Sparten-Theaters, 80 der 270 Stellen im Theater seien bedroht.

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