Theater-Zukunft hängt an Haustarif und Neubau

Der leere Saal im Großen Haus des Volkstheaters Rostock. dapd
Der leere Saal im Großen Haus des Volkstheaters Rostock. dapd

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28. September 2012, 10:03 Uhr

Rostock | Um die finanzielle Schieflage des Volkstheaters in den Griff zu bekommen, schlägt die Fraktion Für Rostock vor, die GmbH wieder in ein Amt bei der Stadt umzuwandeln. Dass damit die Geldsorgen des Hauses aber noch längst nicht gelöst seien, davor warnen Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken, und Uwe Flachsmeyer (Grüne). Beide sind Mitglieder im Aufsichtsrat des Volkstheaters und verfolgen seit Langem die Bemühungen des Hauses, aus den roten Zahlen zu kommen. Dem Theater heute vorzuwerfen, es komme nicht mit dem zur Verfügung gestellten finanziellen Rahmen aus, hält Flachsmeyer für unfair: "Das Theater ist jedes Jahr unterfinanziert." Der Geschäftsführung vor diesem Hintergrund eine Fehlwirtschaft vorzuwerfen, könne nicht gelten.

"Es gibt am Volkstheater kein Einsparpotenzial mehr", betont Kröger. Eine letzte Möglichkeit wäre es, die Anzahl der Vorstellungen, die Menge der engagierten Gastkünstler, kurzum das künstlerische Programm zu beschneiden. "Aber genau da beißt sich beim Theater die Katze in den Schwanz", sagt Kröger. Denn weniger Vorstellungen und weniger attraktive Inszenierungen würden zu weniger Publikum führen. Aber sich die Landeszuschüsse an das Theater aber an den verkauften Tickets messen, würde das zunächst Gesparte im Nachhinein dann doch wieder fehlen.

Die größte Kostenstelle im Volkstheater ist das Personal. Zwar hat die Bühne bereits mehr Stellen abgebaut als jede andere im Land - dennoch belasten vor allem die Tariferhöhungen für die rund 300 Mitarbeiter den Theater-Etat in besonderem Maße. Darum befindet sich die Geschäftsführung der GmbH derzeit in Verhandlungen mit den Gewerkschaften über einen Haustarif. Für Kröger und Flachsmeyer ist dies die letzte Hoffnung für die städtische Gesellschaft. Denn sollte es zu keinem Abschluss bis Ende November kommen, droht dem Volkstheater im kommenden Jahr die Insolvenz.

"Der Haustarif ist die einzige Schraube, an der man noch drehen kann", sagt Kröger. Auch deshalb hält sie den Antrag von Für Rostock für kontraproduktiv. Denn in einem Amt ist kein Haustarif möglich. Mehr noch: "Im Amt kann man deutlich besser kündigen", betont Flachsmeyer. Dabei, so sein Eindruck, fühlten sich die Gewerkschaften in den Verhandlungen sicher mit der Aussicht auf eine mögliche Rückkehr der Mitarbeiter zur Stadtverwaltung. Das sei ein Irrglaube, so Flachsmeyer. Kröger sieht bei den Verhandlungen auch die Stadtverwaltung in der Pflicht. Denn hier seien die Planungen für einen Theater-Neubau ins Stocken geraten. "Dabei wäre ein Neubau das einzige Pfund, mit dem wir wuchern könnten", sagt die Linke-Politikerin. Denn ein neues Haus böte den Mitarbeitern eine Perspektive, vor deren Hintergrund die derzeit nötigen finanziellen Einbußen zu ertragen seien. "Das muss die Botschaft an die Gewerkschaft sein", so Kröger.

Auch das gerade präsentierte Gutachten zu den Theatern im Lande zeigen: Rostock braucht ein neues Gebäude, wenn das Theater in der Hansestadt überleben will, unterstreicht Kröger. Flachsmeyer fügt hinzu: "Umfragen zeigen, dass auch wenn nicht viele Menschen ins Theater gehen, doch sehr viele sagen, Rostock braucht ein Theater." Es gehöre als Standortfaktor für eine Großstadt einfach dazu. Als einzige Region im Land mit einer positiven Wachstumsprognose sei dies sogar noch drängender, sagt Kröger: "Es gibt nur eine Stadt mit Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern und nur eine, die sich ein Theater leisten können muss. Und das ist Rostock."

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